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Wer wirklich den Krieg wollte

Der australische Historiker Christopher Clark hat mit dem Buch ›Die Schlafwandler‹ ein Meisterwerk abgeliefert. Er legt, gestützt durch umfangreiches Quellenmaterial, dar, dass Deutschland mitnichten alleine Schuld am Ersten Weltkrieg hat, sondern noch mehrere Nationen, die im Buch beim Namen genannt werden, teils wesentlich mehr Schuld an diesem Drama hatten. Das geschichtlich wertvolle Meisterwerk sollte zur Pflichtlektüre in deutschen Schulen werden. Darüber hinaus sollten die Ergebnisse dieses Buches die Grundlage bilden, die Rechtmäßigkeit des Versailler Vertrages vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag überprüfen zu lassen.


Es wird gerne behauptet, dass der Erste Weltkrieg wie aus dem Nichts im tiefsten Frieden ausgebrochen ist. Die damalige Zeit war jedoch alles andere als friedlich. Bereits weit vor 1914 gab es Kriege. Darunter den Russisch-Japanischen Krieg von 1904, den Italienisch-Türkischen Krieg von 1911 und den Ersten und Zweiten Balkankrieg die 1912 beziehungsweise 1913 geführt wurden und zu neuen Staaten und Grenzziehungen in Europa führte. Am bekanntesten ist noch der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71, den Frankreich gegen Preußen vom Zaun gebrochen hatte. Diesen Krieg verlor Frankreich, was den Verlust Elsass-Lothringens an Deutschland zur Folge hatte.

Alle diese Kriege und Umwälzungen spielen eine Rolle, wenn es darum geht, den Grund für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu erklären. Ein schwerwiegender Grund für den Beginn des Erste Weltkriegs liegt darin, dass bestimmte französische Politiker die ganzen Jahre darauf hinarbeiteten, Elsass Lothringen wieder zurückzubekommen. In der im Buch beschriebenen Ereigniskette ist klar erkennbar, dass alles getan wurde, um dieses Ziel zu erreichen. Das Attentat auf Franz Ferdinand, dem Nachfolger auf den Kaiserthron Österreich-Ungarns wurde als willkommener Grund ausgeschlachtet, auf jeden Fall einen Waffengang zu erreichen. An mehreren Stellen im Buch wird auf diesen Umstand hingewiesen.

Getrieben von Rache

So hat etwa der französische Außenminister Hanotaux bereits vor der Jahrhundertwende ausgesprochen, dass es eine dauerhafte Versöhnung mit Deutschland nur gäbe, wenn die 1870 annektierten Gebiete zurückgegeben werden. Auch sein Nachfolger Théophile Delcassé hegte ein starkes Misstrauen gegen Deutschland und hat sich mit aller Macht dafür eingesetzt, die verlorenen Gebiete zurückzuholen. Seine Leidenschaft für die verlorenen Provinzen war so stark, dass nicht einmal seine Familienangehörigen es wagten, in seiner Gegenwart die Namen ›Elsass‹ und ›Lothringen‹ auszusprechen. Er selbst hatte jedoch keine Probleme damit, andere Länder zu annektieren. So war eines seiner Ziele die Annexion Marokkos durch Frankreich, einem Land, dessen Unabhängigkeit durch einen internationalen Vertrag bereits garantiert war.

Die Serben, die in den Mainstream-Geschichtsbüchern überhaupt nicht so richtig zur Geltung kommen, haben ebenfalls eine gehörige Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Das Land hat geltend gemacht, dass überall dort, wo Serben wohnen, serbisches Staatsgebiet sei. Durch die Balkankriege konnte das Land einen beträchtlichen Gebietsgewinn erzielen. Sie hatten auch ein Auge auf Bosnien und Herzegowina geworfen, die im Jahre 1908 nach 30jähriger Besatzung von Österreich-Ungarn annektiert wurden.

Wie Christopher Clarc in seinem Buch sehr schön herausarbeitete, hat der Regierungschef Nikola Pašic jede Menge mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu tun. Serbien hatte unter seiner Regierungszeit ein geheimes Netzwerk installiert, das im Endeffekt die Morde in Sarajevo zu verantworten hat. Dabei wurde so raffiniert vorgegangen, dass keine Unterlagen existieren und eine Beteiligung der serbischen Regierung heute nicht direkt nachweisbar ist. Keinesfalls ist es jedoch so, dass die Attentäter auf eigene Faust handelten.

Die Österreichisch-Ungarische Regierung wollte nach den Morden lediglich die Verantwortung der Serbischen Regierung in Erfahrung bringen und hat daher ein Ultimatum an die Serben, verbunden mit einer Mobilmachung gerichtet. Dieses Ultimatum führte fast zum Erfolg, wenn sich Russland zurückgehalten hätte. Russland sah sich jedoch als Schutzmacht für ihre slawischen Brüder und hatte die Serben bestärkt, standhaft zu bleiben. Dabei hatte Nikola Pašic bereits geplant, Wien volle Satisfaktion, also Genugtuung anzubieten, was in der Folge einen Krieg verhindert hätte. So aber wurde plötzlich sogar die Chance gesehen, eine volle Vereinigung aller Serben zu erreichen.

Überredet zum Krieg

Nachdem Russland mobilmachte, sah in einem lichten Moment der Zar ein, dass sich hier ein größerer Waffengang anbahnte und wollte die Mobilmachung abbrechen. Er wollte nicht für ein großes Blutvergießen verantwortlich sein. Er wurde jedoch vom russischen Außenminister Sasonow umgestimmt und das Unheil nahm seinen Lauf. Die Deutschen, denen in herkömmlichen Geschichtsbüchern die Hauptschuld am Ersten Weltkrieg gegeben wurde, bemühten sich nach Kräften um Deeskalation. Selbst als Russland mobilisierte, war in deutschen Kasernen noch Ruhe.

Noch am 29. Juli, nachdem am Vortag Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte, hatte Kaiser Wilhelm II in einem Telegramm an den Zar betont, dass eine Verständigung zwischen Wien und St. Petersburg immer noch möglich ist. Nachdem jedoch sichtbar wurde, dass die Situation eskalierte, machte Deutschland rasch mobil. Am 1.8.1914 erklärte Deutschland Russland und am 3.8.1914 Frankreich den Krieg, was sicher aus der Not heraus geschah.

Der Buchtitel ›Die Schlafwandler‹ ist wohl nur aus politischen Gründen gewählt worden, denn im Buch werden mitnichten hilfslose Regenten beschrieben, die ungewollt den Krieg auslösten, sondern Machtpolitiker, die diesen ganz bewusst herbeiführten, um ganz bestimmte Ziele zu erreichen. Die Konsequenz aus dem Buchinhalt kann nur lauten, dass dieses Buch zur Pflichtlektüre an deutschen Schulen gemacht werden muss. Darüber hinaus ist zu fordern, dass sich der Internationale Gerichtshof in Den Haag auf der Grundlage dieses Buches mit der Frage nach der wahren Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges befassen muss. Es geht darum, eine seit Jahrzehnten zu Unrecht diffamierte Nation zu rehabilitieren und die geschichtliche Wahrheit an der Jahrhundertkatastrophe offiziell niederzuschreiben.

Dieses Buch ist daher ein Muss für jeden Bürger Europas, der die Wahrheit über den Ersten Weltkrieg erfahren will. Es kann davon ausgegangen werden, dass es verboten wird, wenn seine Bekanntheit steigt, weshalb unbedingt die Chance zum Kauf jetzt genutzt werden sollte.

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Mehr Informationen:

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Titel: Die Schlafwandler
Autor: Christopher Clark
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN: 978-3-421-04359-7
Jahr: 2013
Preis: 39,99 Euro
www.randomhouse.de/dva
 

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