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Prof. Dr. Ulrich Kutschera redet Klartext

Die Gender-Ideologie durchdringt schleichend unsere Gesellschaft. Welche Gefahren drohen, erläutert Prof. Dr. Ulrich Kutschera.


Die „Bundeszentrale für politische Bildung“ (bpb) wird vom Steuerzahler unterhalten und sollte eigentlich objektive Sachinformationen an ihre Leserschaft, bevorzugt Schüler und junge Studenten, vermitteln. Mit dem Winter 2015/16-Heft Nr. 57 des bpb-Magazins ›Fluter‹ hat dieses Journal aber leider seine Kompetenz überschritten und dazu beigetragen, dass die widersinnige Gender-Ideologie ein weiteres Mal unkritisch-naiv unter das Schülervolk gebracht worden ist.

Bereits im Editorial schreibt der Herausgeber, dass die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen, mit den entsprechenden Geschlechterrollen, nicht naturgegeben, sondern nur eine „machtvolle Erzählung“ seien. Diese, von Evolutionsbiologen wie Charles Darwin offengelegte „vermeintlich natürliche Ordnung der Geschlechter“ sei in der Regel von Menschen konstruiert und mit gesellschaftlicher Macht verbunden. Weiterhin sei das Geschlecht leider „heteronormativ gedacht“: Homosexuelle und Transgender seien früher ignoriert und ausgeschlossen worden, wird behauptet. Nach Verweisen auf die Gleichberechtigung als Verfassungsgut, den Feminismus und die Geschlechtergerechtigkeit wird dem Leser „viel Spaß“ gewünscht.

Als erstes Highlight der Fluter-Gender-Story folgt ein Gespräch mit der Geschlechter-Forscherin Sabine Hark. Hier offenbart sich diese Ideologin in geradezu peinlicher Offenheit. Die Frage, was sie in ihrem Job als bekannteste Gender-Forscherin Deutschlands tagtäglich zu tun hat, antwortete die Sozialwissenschaftlerin wie folgt: »Ich vermittle den Studierenden, dass Geschlecht eine Kategorie ist, mit der wir die Gesellschaft ordnen. Wir haben alle eine Vorstellung von Geschlecht, davon, wie Frauen und Männer so sind, aber wo kommt das Wissen her? Was sind die historischen Kontexte? Welche sozialen und ökonomischen Konsequenzen hat das? Darum geht es in der Geschlechterforschung.«

Biologen wissen, dass das Geschlecht im Tierreich und beim Menschen keine soziale Kategorie, sondern eine evolutionär herausgebildete, genetisch verankerte Grundeigenschaft ist. Daraufhin wird die Berliner „Gender-Forscherin“ gefragt, warum sie selbst in bürgerlichen Leitmedien wegen der Verbreitung ihrer „Frau-gleich-Mann-Ideologie“ angegriffen wird. Sie antwortet, dass es einen »Hass auf die Gender-Studies« gibt, wobei es politisch nicht opportun sei, gegen Gleichstellung zu sein. Mit indirektem Verweis auf meine eigenen Aktivitäten hebt sie hervor, dass jetzt wieder stärker mit der Biologie argumentiert werde, und man auf die »vermeintlich unhintergehbare Natur verweise, die nur zwei Geschlechter vorsehe«.

Zur Frage nach der Zweigeschlechtlichkeit als Norm antwortete die Gender-Frau wie folgt: »Die Tatsache, dass ich in einem biologisch als weiblich klassifizierten Körper stecke, dass ich juristisch eine weibliche Person bin, sagt nichts darüber aus, ob ich mich persönlich als Frau verstehe. Das Geschlecht funktioniert als sozialer Platzanweiser in der Gesellschaft. Das gilt es zu verändern. Ob dann am Ende des Tages 2,5 oder 12 Geschlechter staatlich anerkannt sind, ist nicht entscheidend.«

In diesem Stil geht das Interview immer weiter, und eine Sache wird dem Leser sofort klar: Für die „Gender-Forscherin“ Hark sind die Begriffe ›Mutter‹, ›Kinder‹, ›Familie‹ Fremdwörter – woher soll sie darüber auch Bescheid wissen, sie lebt vermutlich in ihrer keimfreien Homo-Life Style-Welt, wie sie unter dem Schlagwort ›Gender Mainstreaming‹ auch im Fluter beworben wird. Fragwürdig ist, warum derartige Personen zu Wortführerinnen für die Allgemeinbevölkerung erhoben werden. Diese Ideologinnen wissen nicht, wie die heteronormale Mehrheit, das heißt über 95 Prozent der Bürger, denkt und lebt; sie maßen sich aber an, den naturgegebenen Lebensstil jener, die in ihren Kindern fortbestehen, zu kritisieren und verändern zu wollen.

In einem kurzen biologischen Beitrag werden ein paar armselige Fakten genannt. So verweist der Fluter-Autor etwa auf das Testosteron, welches bei Männern „in besonders hohen Dosen“ vorkommt und unter anderem zur Aggressivität führt. Auch einige Männer- beziehungsweise Frauenspezifische Krankheiten werden erwähnt sowie auf Unterschiede im Gehirn verwiesen. Diese sachlich korrekten Angaben werden aber gleich wieder relativiert: Unter Hinweis auf ein Buch mit dem Titel ›Die Geschlechterlüge: Die Macht der Vorurteile über Frau und Mann‹ wird behauptet, die Verhaltensunterschiede von Mann und Frau wären nicht biologisch vorgegeben: Männliche sowie weibliche Gewohnheiten seien durch Umwelteinflüsse oder Lernprozesse hervorgerufen und überhaupt ist es denkbar, dass die Sozialisation auch biologische Folgen hätte. Unter Verweis auf fragwürdige Befunde aus der epigenetischen Forschung werden letztendlich alle soliden Erkenntnisse der Biologie in der Mülltonne entsorgt und als „Vermeintlichkeiten“ hingestellt.

In einer Fluter-Serie zur Vorstellung berühmter „Gender-Vordenkerinnen“ werden die Damen Simone de Beauvoir (1908–1986), Judith Butler (geb. 1956) und Alice Schwarzer (geb. 1942) vorgestellt, verbunden mit einem Loblied auf ihre „revolutionären Thesen“. Bezüglich Frau Beauvoir verweisen die Autoren auf den Satz: »Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es« und schlussfolgern dann, dass dieser unsinnige Ausspruch für den Feminismus wichtig sei, weil sie auf die soziale Konstruktion von Geschlecht hingewiesen habe.

All diese Gender-Thesen, wie sie im Fluter und anderswo dargeboten sind, widersprechen den Erkenntnissen der Evolutionsbiologie. Sie sollten daher von jedem vernunftbegabten Menschen zurückgewiesen und als irrationale politische Emanzen-Ideologie betrachtet werden, die paradoxer Weise viel Geld kostet, aber überwiegend destruktiv durch Geburtenrückgang, Zerstörung der Familien sowie Abwertung der Mütter wirkt.

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