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Die Fotografie und ihr Anbeginn

Das Fotografieren hat großen Zulauf. Insbesondere moderne Smartphones sorgen dafür, dass weltweit täglich Milliarden von Bildern „geschossen“ werden. Gleichwohl erfährt das altbewährte, analoge Fotografieren eine Renaissance, da zunehmend Interessenten diese Technik für sich entdecken. Egal, welches Verfahren priorisiert wird, das Deutsche Fotomuseum ist für jeden einen Besuch wert.

Galt es ehedem, eine ­kiloschwere Ausrüstung durch die Lande zu schleppen, wollte man Natur, Technik oder Menschen auf Zelluloid für die Nachwelt festhalten, wird heute lediglich ein checkkartengroßes Multifunktionsgerät aus der Hemdentasche gezückt und ohne große Belichtungsberechnungen ansehnliche Aufnahmen auf einen fingernagelgroßen Speicher gebannt. Silizium hat Chemie beim Fotografieren fast vollständig verdrängt.

Aber eben nur fast. Immerhin geschätzte fünf Millionen Menschen fotografieren in Deutschland nach wie vor auf analoge Art, nutzen also einen Film als „Speicher“ für ein Bild. In letzter Zeit haben vermehrt Individualisten das analoge Fotografieren für sich entdeckt und zeigen der „Fast Food“-Fotografie die kalte Schulter. Das nährt die Hoffnung, dass nach wie vor tolle Fotos der Nachwelt erhalten bleiben, wie sie im Markleeberger Fotomuseum zu sehen sind, da mit Film gewonnene Bilder in der Regel wohlüberlegt komponiert und nicht „aus der Hüfte“ geschossen werden.

Mut und Handwerk

Das Deutsche Fotomuseum besitzt eine ganze Reihe wunderbarer Originalabzüge, die zeigen, dass es sich als ernsthafter Fotograf lohnt das Auge zu schulen, sich in Geduld zu üben und keine Mühe zu scheuen, um besondere Bilder zu erschaffen. Wer kennt beispielsweise nicht den ungesicherten, tänzelnden Maler auf dem Eifelturm, der 1953 von Marc Riboud auf Film gebannt wurde?

Dieses Bild ist ein wahres Meisterwerk, das es in dieser Form wohl kein zweites Mal geben wird. Wer hat als Fotograf schon den Mut auf einen schwankenden Turm zu steigen, um in 300 Meter Höhe nach dem besonderen Motiv Ausschau zu halten? Marc Riboud benutzte für diese Aufnahme eine sogenannte Mittelformatkamera, bei der man von oben durch eine Mattscheibe in die Kamera hineinschaute und dort ein um 180 Grad gedrehtes Bild erblickte. Beim Suchen der optimalen Bildkomposition bekam Riboud durch das auf dem Kopf stehende Bild leichte Schwindelanfälle, was ihn fast in die Tiefe stürzen lies.

Weniger abenteuerlich musste Helmut Newton vorgehen, um sich einen Platz unter den größten Fotografen zu sichern. Seine Bilder, wie etwa ›June, nach dem Frühstück in ihrer Küche‹ oder ›Nastassja Kinski mit einer Marlene Dietrich-Puppe‹ waren Kompositionen, die auf festem Boden das Licht der Fotowelt erblickten, gleichwohl durch ihre erotischen Ausstrahlung bei den Betrachtern auf besondere Aufmerksamkeit stoßen. Überhaupt gibt es im Museum einige Bilder zu sehen, die vor noch nicht allzulanger Zeit die Sittenwächter auf den Plan gerufen hätten.

Geschichte im Bild

Natürlich gibt es im Museum auch jede Menge Fotos aus den Anfängen der Fotografie zu sehen. Beispielsweise je ein Bild von Napoleon III, Kaiser von Frankreich und seiner Frau Eugenie aus dem Jahre 1859, die von André Adolphe-Eugène Disdéri angefertigt wurden. William Downey lichtete 1865 Queen Victoria, Königin von England ab und Emil Rabending hielt 1867 die österreichische Kaiserin Elisabeth, besser bekannt unter dem Kosenamen ›Sissi‹, für die Nachwelt fest.

Aus dem Jahre 1909 stammt eine Luftbildaufnahme von Leipzig, die damals mithilfe des Zeppelins ›Parseval III‹ aus 100 bis 300 Meter Flughöhe gewonnen wurde. Will McBride war im Jahre 1957 zur Stelle, als Willy Brandt im Schöneberger Rathaus weilte und hatte auch den Finger am Auslöser, als der damalige US-Präsident John F. Kennedy im Jahre 1963 am Brandenburger Tor seine berühmte Rede hielt.

Für Technik-Fans

Doch nicht nur die Ergebnisse hervorragender Fotografen werden im Deutschen Fotomuseum ins beste Licht gerückt, sondern auch die Technik, die dazu nötig ist. Hier gibt es zum Beispiel eine Excelsior-Reisekamera von 1898 zu sehen, die Filmplatten von 24x30 cm Größe benötigte. Gar von 1886 ist die Amateur-Kamera, die damals von der Emil Wünsche AG in Dresden gebaut wurde. Diese verfügte über einen sogenannten Guillotine-Verschluß und wurde mit kleinen Platten von 9 x 12 cm Größe bestückt.

Von 1900 ist die Reisekamera, die Max Wergien damals in Halle an der Saale baute. Hier kam wiederum eine andere Plattengröße, diesmal im Format 18x24 zum Einsatz. Allen ist gemeinsam, dass angesichts deren Größe heute wohl niemand von Reisekameras sprechen würde. Aber auch die ersten Computer haben ja bekanntlich mit imposanter Größe angefangen, ehe moderne Technik diese auf nur mehr einen Bruchteil der damaligen Abmessungen schrumpfen konnte.

Dieses „Schrumpfen“ der Kameratechnik kann selbstverständlich auch im Fotomuseum nachvollzogen werden. Der einsetzende Schrumpfungsprozess begann mit der Erfindung des Rollfilms, der kleinere Gehäuse für die Kameras möglich machte und bereits um 1900 einsetzte. Dokumentiert wird dies durch die Kamera ›Bob Folding‹ von Heinrich Ernemann, in die sowohl Platten, als auch Rollfilm eingelegt werden konnten. Die ›Icarette‹ von 1912 war nur mehr mit einem Rollfilm zu bestücken und konnte daher für damalige Verhältnisse kompakt konstruiert werden, weshalb für dieses Modell das Wort ›tragbar‹ wirklich zutreffend ist. Die Technik des Fotoapparatebaus entwickelte sich nun rasant weiter. Nicht nur wurden die Apparate immer kompakter, sondern auch raffinierter.

Technik im Wandel

Schlaue Funktionen ermöglichten es auch Hobbyfotografen, überaus ansehnliche Bilder zu produzieren. Doch war immer noch eine Blende vorzuwählen und die Verschlusszeit abzuschätzen. So richtig narrensicher wurden Fotoapparate erst nach dem 2. Weltkrieg, als präzise Feinmechanik im Zusammenspiel mit Elektronik dem Fotografen zunehmend diese Einstellarbeit abnahmen. Auf die Spitze trieb dies die Minox 35 MB von 1986, die damals der kleinste Zeitautomat der Welt war. Danach wandelte sich das Bild der Kameras allmählich, da sich das Zeitalter der CCD-Chips ankündigte, die den Film als Belichtungsmedium abzulösen begannen.

Diesen Trend hat der damalige Fotoriese Kodak total übersehen, der nach wie vor auf den analogen Film setzte. Die ›Kodak Disc‹ sollte wegbrechende Märkte stabilisieren und den Weg für eine Renaissance des Films bereiten. Doch diese Strategie ist grandios gescheitert, weshalb heute Kodak Geschichte ist und die im Museum ausgestellte ›Disc-Kamera 4000‹ jedes Unternehmen mahnt, stets den Fokus auf aktuell nachgefragte Technik zu richten. Käufer dieses Modells haben heute das Pech, dass von den Discs mangels Entwicklungsmaschinen keine Abzüge mehr hergestellt werden können.

Wer als Käufer frühzeitig auf Digitaltechnik setzte, ist hingegen aus dem Schneider, da es nach wie vor Lesegeräte gibt, die Daten aus den Anfängen der digitalen Fotografie lesen können. Auch in dieser Hinsicht gibt es im Fotomuseum einiges zu sehen. Beispielsweise kann hier die ›ION RC-560‹ bestaunt werden, die von Canon im Jahre 1990 auf den Markt gebracht wurde.

Dieses futuristisch anmutende Gerät im Feldstecherformat wurde mit einer 3 ½-Zoll-Diskette bestückt, auf die dann die Daten des vom CCD-Chip aufgenommenen Bildes geschrieben wurden. Je nach Auflösung passten auf eine Diskette zwischen 25 und 50 Bilder. Im Vergleich zur Pixelflut moderner Digitalkameras war der CCD-Chip dieses Modells eher spärlich ausgestattet: Lediglich über 0,41 Megapixel verfügte der ½-Zoll-Chip. Entsprechend pixelig wirkten daher die damit gemachten Bilder, wenn sie groß aufgezogen wurden.

Schon sehr viel weiter war die digitale Kameratechnik im Jahre 2002. Damals gab es die ›Revio KD-510Z von Konika zu kaufen, die über einen CCD-Chip mit fünf Megapixel verfügte. Damit waren sehr gute Bilder möglich, die auch heute noch jedes Handy-Foto in den Schatten stellen, da natürlich auch die Optik entsprechend hochwertig war. Sogar filmen konnte man damit. Zwar waren lediglich Clips von je 30 Sekunden Dauer möglich, doch wurden die Daten bereits auf die modernen SD- oder MM-Speicherkarten geschrieben. Da die Kamera über einen doppelten Karteneinschub verfügte, konnten zudem die Speichersticks von Sony genutzt werden.

Nur wenige Jahre später haben Handys den Fotomarkt aufgemischt, da es mit ihnen möglich ist, nicht nur zu telefonieren, sondern auch Bilder anzufertigen. Im Museum ist aus dieser Zeit das Klapphandy ›S342i‹ von Samsung zu sehen, das bereits über eine VGA-Digitalkamera mit einer Auflösung von immerhin 640x480 Pixel verfügte. Angesichts der rasant voranschreitenden Technik in Sachen ›Fotografie‹ kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie mühsam ein Bild früher in der Dunkelkammer entwickelt werden musste. Es galt, ein breites Spektrum an Gegenständen und Chemikalien anzuschaffen, ehe in einem zeitaufwendigen Prozess aus dem Negativ ein Bild entwickelt war.

Auch diesbezüglich gibt es im Museum einiges zu sehen. Eine gute Gelegenheit, sein Handy auszupacken und die Utensilien zu fotografieren, die heute dank der Forschungsanstrengungen zahlreicher heller Köpfe nicht mehr gebraucht werden.

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Video

Ein Video über das Deutsche Fotomuseum finden Sie hier.

Das Deutsche Fotomuseum befindet sich hier:

 

Mehr Informationen:

Kontakt  Herstellerinfo 
Deutsches Fotomuseum
Raschwitzer Straße 11-13
04416 Markkleeberg
Tel.: 0341- 6515711
www.fotomuseum.eu
 

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