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Politik der EU bedroht Stahlindustrie

Frank Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung ArcelorMittal Germany Holding, warnt vor einer Wettbewerbsverzerrung auf dem Stahlmarkt durch die CO2-Politik der Europäischen Union.


Stellen Sie sich vor, bei der Fußballweltmeisterschaft wären einige Teams mit Gewichten an den Beinen angetreten. Hätten Sie diesen Mannschaften zugetraut, in einem so harten Wettbewerb zu bestehen? Eine Wettbewerbsverzerrung wie diese plant derzeit die Europäische Union mit der Stahlindustrie. Die europäische Stahlindustrie ist ausgezeichnet trainiert: Mit einem überproportionalen Anteil von Patenten weltweit – 20 Prozent aller Stahlzertifikate stammen allein aus Deutschland; mit Anlagen und Produktionstechnologien, die durch Energieeffizienz und CO2-Emissionswerte auf Benchmark-Niveau gekennzeichnet sind und die an Effizienz kaum zu schlagen sind. Der Emissionshandel stellt die Fußfesseln dar, die der Stahlindustrie in Europa und in Deutschland angelegt werden.

Mit technisch unerreichbaren Benchmarks und Korrekturfaktoren, die den Eigenheiten der Stahlproduktion nicht gerecht werden, wird es unmöglich, im globalen Wettbewerb zu bestehen. Die EU kann nicht den Beitrag der Industrie zum Bruttoinlandsprodukt von 14 Prozent im Jahr 2014 auf 20 Prozent im Jahr 2020 erhöhen wollen und gleichzeitig die industriellen Kerne schwächen. Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir Stahl in Europa herstellen – CO2-emissionsarm – und ihn in hohen Güten für emissionsarme ­Autos und als endlos wiederverwendbaren Rohstoff nutzen, dann brauchen wir realis­tische und technisch wie ökonomisch sinnvolle Instrumente.

Die CO2–Einsparungen durch die Stahlanwendung sind sechsmal so hoch wie die Emissionen, die bei der Herstellung des dafür benötigten Stahls entstehen.

Der Emissionshandel kann ein wichtiges Instrument sein, dem weltweiten Klimawandel zu begegnen – wenn alle mitmachen. Bei vergleichbaren Bedingungen wird ArcelorMittal gerne auch weiterhin seinen Beitrag dazu leisten – wie auch zum Erfolg der Energiewende.

Überzogene und einseitige, auf Europa beschränkte Emissionsziele helfen aber weder beim Ziel, die Bruttowertschöpfung der Industrie Europas wieder auf 20 Prozent zu heben noch dabei, die Emissionen weltweit zu verringern. Stahl, der in der EU produziert wird, wird mit vielfach weniger CO2-Emissionen hergestellt als in den meisten anderen Regionen der Welt. Natürlich haben auch einige andere Regionen eine Art Emissionshandel, aber wirklich populär ist das System nicht, zumal diese anderen Systeme keinen so großen, in den meisten Fällen sogar überhaupt keinen Einfluss auf die Stahlindustrie nehmen. Wir sind nicht in der Lage, zum Erhalt unserer Wettbewerbsfähigkeit mehr zu zahlen, als unsere Wettbewerber außerhalb der EU, denn diese Zusatzkosten sind nicht kompensierbar.

ArcelorMittal ist ein weltweit agierendes Unternehmen. Vergleicht man Anforderungen hinsichtlich Klimapolitik, Umweltschutz und Energieeffizienz, kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass es global sehr große Unterschiede gibt. Wenn wir in unseren europäischen Werken amerikanische Strompreise zahlen würden, könnten wir eine Milliarde Dollar im Jahr sparen. Und das zu einer Zeit, wo die Marktnachfrage ein Viertel unter dem Niveau von 2007 liegt. Wenn die EU – und allen voran Deutschland – nichts unternehmen, werden die Kosten weiter steigen. Das wäre ein großes Risiko für das einzigartige industrielle und wirtschaftliche Netzwerk.

Die Energiewende in Deutschland, die bisher nur eine Stromwende ist, weil sie andere Energiearten als elektrische Energie gar nicht einbezieht, ist weder marktorientiert noch kosteneffizient. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geht in die richtige Richtung. Dabei sind aber noch weitere Bemühungen und Anpassungen notwendig, damit Investitionen in energie- und umwelteffiziente Technologien – wie Gasentspannungsturbinen - auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ermöglicht werden können.

Die Bundesregierung möchte den Verkehrsbereich in die Energiewende einbeziehen – Stichwort Energieeffizienz. Das wird durch Stahl schon heute möglich, zum Beispiel im Sinne von weniger Kraftstoffverbrauch durch hochfeste Mehrphasenstähle, die auch ArcelorMittal produziert. Solche Stähle benötigen in ihrer Herstellung zwar mehr Energie, sparen aber im Lebenszyklus des Produkts ein Vielfaches mehr an Energie ein. Möchte man beim Produkt ›Auto‹ höhere Energieeffizienz und weniger Emissionen erreichen, braucht man hochwertigen Stahl. Dieser muss mit mehr Aufwand produziert werden. Gleiches gilt für Turbinen, Windräder, Maschinen und viele andere Produkte, die aus hochwertigem Stahl gefertigt werden.

Von der Politik erwarten wir daher ein eindeutiges Bekenntnis zu einer wettbewerbsfähigen industriellen Basis und damit zur energieintensiven Industrie – nicht nur auf dem Papier. Wir wollen an unseren deutschen Produktionsstandorten in Bremen, Hamburg, Duisburg und Eisenhüttenstadt gern weiterhin einen wichtigen Beitrag zum industriellen Wirtschaftswachstum in Europa leisten. Dazu gehören Nachhaltigkeit und Innovation. Hierfür bedarf es einer Politik, die die Industrie als Rückgrat des Wohlstandes unterstützt und einen Rahmen für gute Wettbewerbsbedingungen schafft.

Das ist bezogen auf die Energie- und Klimapolitik in Europa leider noch nicht ausreichend erkennbar. Die heute verfügbare Technologie erlaubt es derzeit selbst den leistungsfähigsten Standorten nicht, die aktuellen Emissionsziele zu erreichen. Die EU braucht realistische Klimaziele, die ambitioniert, aber machbar sind, und eine marktorientierte Energiepolitik, die wettbewerbsfähige Energiepreise fördert.

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Mehr Informationen:

Kontakt  Herstellerinfo 
ArcelorMittal Germany Holding GmbH
Draudenaustr. 33
21129 Hamburg
E-Mail: contact.germany@arcelormittal.com
www.germany.arcelormittal.com
 

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