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Kernkraft und Klima im Blick

Die Grünen können sich nicht länger drücken

Ein Leben wie im Mittelalter ist ein möglicher Weg zur CO2-Vermeidung. Da ihn aber nur wenige freiwillig mitgehen werden, bleibt einem Land ohne viel Wasserkraft nur die Ökodiktatur oder die Kernenergie. Rainer Klute, Vorsitzender Nuklearia e. V., erläutert, dass auch die Grünen nicht um die Tatsache herumkommen, dass Strom aus Kernenergie zuverlässig und CO2-arm ist.


Klarer Sieger der Europawahl 2019 sind die Grünen. Laut ›infratest dimap‹-Analyse erzielten sie in allen Altersgruppen der deutschen Wähler unter 60 Jahren mindestens knapp ein Viertel der Stimmen. Von den 18- bis 24-Jährigen wählten sogar 34 Prozent Grün. Bei diesem Erfolg spielte der Klimaschutz eine wichtige Rolle. Besonders den jungen Wählern liegt dieses Thema am Herzen. Das Rezo-Video mag ebenfalls Einfluss gehabt haben.

56 Prozent der Wähler meinen, dass am ehesten die Grünen eine gute Klima- und Umweltpolitik betreiben. Bei einem derart hohen Stellenwert des Klimaschutzes und einem guten Image der Partei in dieser Frage sind viele Stimmen für die Grünen kein Wunder.

Die GroKo-Parteien hingegen wurden hart abgestraft. Verständlich, denn trotz aller Energiewende-Anstrengungen sind die Treibhausgas-Emissionen nach wie vor fast unverändert hoch. Dass Deutschland selbst nach 19 Jahren Energiewende die CO2-Emissionen kaum gesenkt hat und die für 2020 selbst gesetzten Klimaziele grandios verfehlt, das enttäuscht die Wähler sehr. Zugleich zahlen Haushalte und Industriekunden die höchsten Strompreise Europas.

Und wer ist schuld? Natürlich die, die das Sagen haben: die Regierungsparteien. Die Grünen können von Glück sagen, dass sie seit 2005 nicht mehr am Ruder waren und keine Gelegenheit hatten, Fehler zu machen. Sie brauchten sich nicht am (Nicht-) Erreichten messen zu lassen und boten sich als Alternative für GroKo-Enttäuschte an.

Eine künftige Bundesregierung unter grüner Führung ist nicht ausgeschlossen. Doch mit welchen innovativen Lösungen werden die Grünen aufwarten können? Lösungen, die sowohl die CO2-Emissionen spürbar und klimazielgerecht reduzieren und zugleich eine zuverlässige Versorgung aufrechterhalten?

Bislang sind nur die altbekannten Forderungen nach mehr Solar- und Windkraft (die prinzipbedingt keine Versorgungssicherheit bieten können) und nach Stromspeichern (die in den nötigen Kapazitäten weder existieren noch absehbar sind). Und vor allem die Forderung nach radikalen Einschnitten in unseren Lebensstandard (und damit auch in unsere Lebenserwartung). Klar, ein Leben wie im Mittelalter ist ein möglicher Weg zur CO2-Vermeidung. Da ihn aber nur wenige freiwillig mitgehen werden, bleibt einem Land ohne viel Wasserkraft nur die Ökodiktatur oder die Kernenergie.

Auch die Grünen kommen um diese Tatsache nicht herum: Der Strom, den die Kernenergie liefert, ist zuverlässig und CO2-arm. Außerdem kann Kernenergie mittels Fernwärme und industrielle Prozesswärme auch im Wärmesektor wesentliche Beiträge leisten. Für den Verkehrsektor kann sie nicht nur Strom liefern, sondern künftig auch CO2-neutrale, synthetische Kraftstoffe aus dem Hochtemperaturreaktor. Bei großen Schiffen könnte man auch über abgasfreie Nuklearantriebe nachdenken, wie sie seit Jahrzehnten bei Flugzeugträgern und russischen Eisbrechern bewährt sind.

Kernenergie bietet große Potenziale für den Klimaschutz, um die die Grünen nicht herumkommen werden. Ich weiß nicht, wie sie ihrer klimabesorgten jungen Wählerschaft sonst den Widerspruch erklären wollen, einerseits angeblich „alles“ gegen den Klimawandel tun zu wollen, andererseits mit der Kernenergie das wirksamste Mittel zur CO2-Reduzierung von vornherein aus der Hand zu geben. Nun, bislang hat ihnen ihre Zielgruppe diese Frage noch gar nicht wirklich gestellt.

Doch das könnte sich ändern. Zwar halten Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland durchweg nicht viel von Kernkraft, doch nur deswegen, weil sie nie eine andere Position kennengelernt und erläutert bekommen haben. Aber sie sind grundsätzlich offen dafür, Glaubenssätze zu hinterfragen, und dazu zählen auch grüne Dogmen. Die Nuklearia, weitere Organisationen und engagierte Einzelpersonen sind jedenfalls fleißig dabei, korrekte Informationen über Kernenergie unter die Leute zu bringen.

Ich hoffe, es ergeht es den Grünen in Deutschland bald wie denen in Finnland, die sich inzwischen mehrheitlich für Kernenergie aussprechen – aus Klimagründen. Klar, wer die Kernkraft nicht a priori ausschließt, wird nüchtern abwägen zwischen der Wahrscheinlichkeit und den möglichen Folgen eines Nuklearunfalls und der Wahrscheinlichkeit und den möglichen Folgen des Klimawandels.

Noch ein Wort an alle, die den menschengemachten Klimawandel für nicht existent oder für einen ausgemachten Schwindel halten: Darum geht es gar nicht. Denn der Klimaschutz steht nun einmal auf der Agenda internationaler Politik und wird dort bleiben. Ich höre öfters die Ansicht, für Kernenergie sprächen so viele gute Argumente, dass sie das Klima gar nicht brauche.

Das ist sachlich richtig und dennoch falsch. Denn das, was die Kernenergie momentan weltweit voranbringt, ist das Klimaargument. Alles andere interessiert nicht, jedenfalls keinen, der von Haus aus gegen Kernenergie ist. Einzig der Klimawandel bringt Politiker und Umweltorganisationen dazu, die Kernkraft zwar nicht zu lieben, aber wenigstens als das kleinere Übel zu akzeptieren.

Wer dem dennoch nichts abgewinnen kann und womöglich gar das Wort von der ›Klima-Lüge‹ im Mund führt, sollte sich nicht grämen. Denn was wäre so schlimm daran, wenn wegen des Klimawandels weltweit zahlreiche neue Kernkraftwerke gebaut würden?

Nehmen wir an, die Klimabesorgten hätten Recht: Dann wäre dies genau die richtige Entscheidung. Und wenn sich herausstellen sollte, dass die CO2-Reduziererei völlig überflüssig war? Dann hätten wir die Kernkraftwerke, und das wäre nicht das Schlechteste!

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Diesen Gastkommentar finden Sie auch in Heft 6/2019 auf Seite 93. Zum besagten Heft führt ein Klick auf den nachfolgenden Button!

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