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Warum Dämmen schlecht für Häuser ist

Es drohen Feuchte und Schimmel

Wer sein Haus oder seine Wohnung dämmt, macht damit oft viel falsch. Prof. Dr. Peter-Jörg Jansen erläutert, worauf es ankommt.


Die politische Botschaft an Immobilienbesitzer heißt dämmen, dämmen, dämmen. Es profitiert die Dämm-Industrie und es zahlt der Hausbesitzer beziehungsweise der Mieter. Aber lassen Sie sich nicht hineinreiten in Schein-Komfort, der erst Sorgen produziert – von Feuchte und Schimmel bis Entsorgungsproblemen für Ihre Kinder, die das gute Stück erben.

Obwohl eine Außendämmung Wärme-Dämm-Verbund-System heißt, unterbricht der Übergang von der tragenden Wand zum Dämmsystem die kapillare Dampfdiffusion traditioneller Mauerwerke (Ziegel, Holz) und erhöht damit die Gefahr von Feuchteschäden.

Eine wärmegedämmte Wand erreicht tagsüber bei Sonne bis zu 80 Grad Celsius und mehr, weil die Dämmplatte Wärme nicht weiterleitet, da sie ja isoliert. Nachts sinkt die Temperatur der Wand außen häufig unter die Lufttemperatur.

Eine Ziegelwand ist demgegenüber tagsüber kühler, denn sie nimmt Sonnenenergie auf und leitet sie weiter. Nachts hingegen ist sie deutlich wärmer wegen ihrer hohen Speicherkapazität. Eine Ziegelwand gibt die tagsüber aufgenommene Sonnenenergie langsam wieder ab. Das ist auch der Grund, warum eine Wärmebildkamera bei einer Ziegelwand abends eine höhere Temperatur anzeigt, als eine gedämmte Wand; der Grund ist nicht, wie meist vorgeschoben, die schlechtere Wärmedämmeigenschaft!

Etwa sechs Prozent der eingestrahlten Sonnenenergie gibt eine Massivwand (Ziegel, Holz, Blähbeton) in den Abendstunden in den Innenraum. Dies ergibt auf einer Südwand an einem Sonnentag auch im Dezember noch eine Ersparnis an Heizenergie über Tag-Nacht gemittelt von rund 24 Prozent. Gemittelt über alle Wetterlagen und die gesamte Heizperiode immerhin noch sieben Prozent. Zugegeben: Solange eine Dämmung funktioniert, sind deren Einsparungen größer; aber wie lange funktioniert sie? Und ist die Einsparung rentabel?

Wegen der starken Abkühlung einer gedämmten Fassade ist der Tauwasseranfall besonders hoch. Häufige Taupunktunterschreitung und verringerte/unterbrochene/fehlende kapillare Wasseraufnahmefähigkeit der Dämmaterialien führen zu Algenbildung beziehungsweise erfordern Pestizid-Beaufschlagung des Dämm-Materials. Feuchte, gar Wasser im Dämmstoff ermöglicht zudem Frostschäden, vernichtet den Dämmeffekt und belastet die tragende Wand beziehungsweise das Innenraum-Klima.

Bei einer Ziegelwand ist der Tauwasseranfall nicht nur seltener und geringer, vielmehr nimmt der Ziegel Luftfeuchte/Tauwasser auf und gibt sie tagsüber wieder ab. Ziegel/Massivholz „atmet“ mit seinem Kapillarsystem. Mineralische Dämmaterialien wie Stein- oder Glaswolle hingegen „atmen“ nicht, da sie kein Kapillarsystem besitzen; sie saugen sich bei Dichtigkeitsschäden allenfalls voll und fallen zusammen.

Biologische Dämmaterialien wie Holzfaser oder Schafwolle „atmen“ nur begrenzt, da häufig ein unterbrochenes Kapillarsystem vorliegt. Sie können jedoch bei starker Feuchtebelastung verrotten.

Der hohe Dehnungskoeffizient von synthetischen Dämmaterialien gegenüber Putz führt bei extremen Temperaturbeanspruchungen zu Rissbildungen. Auch Spechte machen sich gern an gedämmten Fassaden zu schaffen. Über Risse dringt Tau- oder Regenwasser in den Dämmstoff ein. Ziegelwände und Kalkputz haben hingegen die gleichen Dehnungskoeffizienten, reißen daher nicht und bergen keine Wasserfallen.

Dämmaterialien sind ungezieferanfällig, besonders die biologischen, die folglich Biozid-Beaufschlagung erfordern, was umweltbelastende Emanations- und Entsorgungsfolgen nach sich zieht. Forscher berichten gar von Mehlwürmern in Styropor – ein gefundenes Fressen für Spechte. Hinzu kommt die hohe Brennbarkeit von Fassadendämmung, wobei Bromide als Brand-Entschleuniger giftig und nur begrenzt wirksam sind.

Eine Fassadendämmung rentiert sich nicht. Die Amortisationszeiten liegen bei über 30 Jahren. Gesetzlich kann unrentable Sanierung nicht zugemutet werden. Gerichtsurteile setzen bei zehn Jahren Amortisationszeit die Grenze. Für Amortisationszeiten um die zehn Jahre wären Subventionen von über 50 Prozent nötig.

Hausbesitzer werden erhebliche Entsorgungsprobleme haben, wenn der Dämmstoff vollgesoffen oder altersbedingt zusammengesessen oder zerfressen/verrottet ist und bis dahin möglicherweise als Sondermüll gilt.
Wer das Dämmen sein lässt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Erdöl und Erdgas werden in absehbarer Zeit nicht ausgehen. Allein beim Erdöl kannte man 1970 gesicherte Reserven für 50 Jahre. Trotz erheblich gestiegener Produktion haben wir auch heute nach fast 50 Jahren wiederum gesicherte Reserven für weitere 50 Jahre. Und es werden weitere Reserven gefunden werden.

Auch sind die CO2-Emissionen bei der Nutzung fossiler Energieträger nicht der Grund für einen eventuellen Klimawandel. CO2 muß vielmehr als Folgeprodukt industrieller Entwicklung für einen Wohlstandsausgleich Nord-Süd herhalten, um die Folgen von indirektem Kolonialismus durch globales neoliberales Wirtschaften zu mildern.

Fazit: Bleiben Sie beim Ziegel! Wählen Sie gegebenenfalls Putzsysteme und Farben mit hoher Strahlungsabsorption. Und für Neubau gibt es moderne Ziegel, die ohne Zusatzdämmung alle Wärmedämmwünsche erfüllen und trotzdem diffusionsoffen und wärmespeichernd sind.

Wer das Glück hat, noch alte schöne Kastenfenster zu haben, sollte dabei bleiben; einen Luftwechsel alle ein bis zwei Stunden brauchen Sie ohnehin. Ein Südfenster ergibt erheblichen Energiegewinn durch Sonneneinstrahlung. Und wenn Sie nachts Fensterläden schließen können, erreichen sie sogar Werte von Isolierfenstern.

Vita:

Prof. Dr. Peter-Jörg Jansen war von 1981 bis 1999 Ordinarius für Energiewirtschaft der TU-Wien. Er engagierte sich in Aufbau und Beratung der ersten Energiespar-Beratungen in den 1980-er Jahren.

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Diesen Gastkommentar finden Sie auch in Heft 3/2019 auf Seite 93. Zum besagten Heft führt ein Klick auf den nachfolgenden Button!

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