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Rot-Grüne Schulpolitik gefährdet den Standort

Linke Landesregierung ist zukunftsfeindlich

Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes Niedersachsen, geißelt die Schulpolitik der linken Landesregierung und stellt fest, dass diese Politik zukunftsfeindlich ist.

Horst Audritz

Vorsitzender des Philologenverbandes Niedersachsen


»Und ihr war kaum das Wort entfahren, möcht` sie`s im Busen schnell bewahren…«. An diese Verse aus Schillers Ballade ›Die Kraniche des Ibykus‹ mag die Fraktionsvorsitzende von B90/Grüne, Anja Piel, im Niedersächsischen Landtag gedacht haben, als sie begriff, welche Empörung ihre entlarvenden Sprüche von den Gymnasien als einem Ort, »wo sich Unternehmerkinder zusammenrotten« und »Eltern mit hohem Einkommen ihre Kinder hinschicken, um sie von Schmuddelkindern fernzuhalten«, in der Öffentlichkeit auslösten.

Mit dieser ebenso realitätsfernen wie feindseligen Äußerung hatte sie ein wenig den Vorhang beiseite gezogen, hinter dem links orientierte Bildungspolitiker heutzutage ihre Ziele vor der Öffentlichkeit zu verbergen suchen: Die Beseitigung eines vielfältigen Schulangebotes, vor allem des „elitären“ Gymnasiums, an dessen Stelle „eine Schule für alle“ treten soll.

Früher hat man dieses Endziel ganz offen propagiert und sich dabei mehr als einmal eine blutige Nase geholt. Alle Umfragen zeigen, dass die Einheitsschule nicht mehrheitsfähig ist. Deswegen wird dieses Ziel jetzt eingenebelt. Das zeigt sich gegenwärtig wieder ganz klar bei der Verabschiedung des neuen rot-grünen Schulgesetzes in Niedersachsen.

Keinesfalls wolle man die Axt an die Wurzel eines pluralen Schulwesens legen, versicherten die Politiker der Regierungskoalition. Aber es wurde gesetzlich festgelegt, dass die Gesamtschule künftig alle anderen Schulformen in einer Region ersetzen kann, und die Förderschule für lernbehinderte Kinder ist trotz zehntausendfacher Elternproteste abgeschafft worden.

Was ist das Movens, das linke Bildungspolitiker so verbissen am Ziel der Einheitsschule festhalten lässt? Die bessere Leistungsfähigkeit kann es auf keinen Fall sein. Denn alle Leistungsvergleiche und ernstzunehmenden wissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, dass das gemeinsame Lernen von nach Ihrer Leistungsfähigkeit, Lernbereitschaft und Interessen völlig unterschiedlichen Schülern deutlich ineffektiver ist als das Lernen in nur begrenzt heterogenen Gruppen.

Das ist eigentlich mit einem gesunden Menschenverstand schon einsehbar: Weder lernen in Volkshochschulen Personen mit ganz unterschiedlichen Kenntnissen zum Beispiel eine Fremdsprache zusammen in einem Kurs noch üben im einem Orchester erstklassige Musiker mit Anfängern zusammen noch trainieren Bundesligaspieler mit Kreisklassespielern zwecks allgemeiner Leistungssteigerung gemeinsam. Nur in der Schule soll das der Stein der Weisen sein! Ist es natürlich nicht, wie sich etwa bei den Pisa-Leistungsvergleichen gezeigt hat, wo die Gesamtschulen im Durchschnitt schlechter abschnitten als die Realschulen – von den Gymnasien ganz zu schweigen.

Linke Schulpolitiker wissen das auch: »Es ist ohne Test vorherzusagen, dass Länder mit selektiven Schulsystemen bessere Schülerleistungen in allen Schulformen haben werden«, schrieb die AG für Bildung in der SPD an die SPD-Kultusminister anlässlich des Starts von Pisa. Und genauso kam es auch: Die leistungsorientierten Länder ohne bedeutende Gesamtschulanteile, Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg, lagen bei allen bisherigen Pisa-Tests an der Spitze, Bundesländer mit jahrzehntelanger links geprägter Schulpolitik wie Bremen und NRW blieben um Längen abgeschlagen.

Es ist nur logisch, dass gerade eifrige Propagandisten der Einheitsschule ihre Kinder meistens auf Gymnasien oder gar Privatschulen schicken, wie etwa die Zeitung ›Welt‹ im Jahre 2010 am Beispiel führender NRW-Politiker nachwies. Vor diesem Hintergrund spielt der Leistungsvergleich im Argumentationsmuster linker Bildungspolitik seit Längerem keine Rolle mehr. Der Begriff ›Leistung‹ taucht in programmatischen Äußerungen von SPD und Grünen entweder überhaupt nicht oder nur in negativ besetzten Komposita wie etwa ›Leistungsdruck‹ auf. Stattdessen wird jetzt die Schaffung von Chancengleichheit zum Generalziel aller Schulpolitik erklärt, um die es angeblich in Deutschland besonders schlecht stehen soll.

Von großer Chancenungleichheit in Deutschland zu reden, ist allerdings Unsinn. So gibt es nicht die etwa für die USA, Großbritannien und Frankreich typische Zweiteilung in ein leistungsschwaches öffentliches und ein teures gutes Privatschulsystem. Hohe Studiengebühren wie in den USA gibt es auch nicht. Die These, am Ende der vierten Klasse würden mit dem Besuch verschiedener Schulformen quasi die Weichen fürs Leben gestellt, kann angesichts der vielen Korrekturmöglichkeiten nicht aufrechterhalten werden. Im Übrigen haben Untersuchungen längst erwiesen, dass die Gesamtschule nicht mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen kann.

Chancengleichheit bedeutet für linke Politiker auch nicht Startchancen-, sondern Zielchancengleichheit. Alle sollen am Ende möglichst gleich sein. Also wird das pädagogische Leistungsprinzip, das da lautet: ›fördern und fordern‹, ausgehebelt. Denn es würde ja Unterschiede und damit Ungleichheit sichtbar machen.

So will man Zensuren (zumindest die schlechten) und das „Sitzenbleiben“ abschaffen, man reduziert schriftliche Arbeiten auf ein Minimum und Schullaufbahnempfehlungen für die weiterführenden Schulen nach der vierten Klasse fallen auch weg. Wenn die Hürden so lange gesenkt werden, bis jeder drüber kommt, wenn (fast) jeder das Abitur bekommt, dann ist das Endziel dieser Bildungspolitik erreicht.

Diese Bildungspolitik ist zukunftsfeindlich: Sie will „eine Schule für alle“ durchsetzen, sie senkt das Leistungsniveau, sie verlangt von den Schülern nur noch eingeschränkt Anstrengungsbereitschaft und Selbstverantwortung und sie unterminiert durch die einseitige Fixierung auf das Abitur das erfolgreiche duale System.

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