Welt der Fertigung
Sie sind hier: Startseite » Suchen » Lernen » CNC-Technik

Konturtaschen beliebiger Form bearbeiten

SL-Zyklen im Einsatz

Zyklen sind praktisch, da mit ihrer Hilfe sehr rasch Standardkonturen, wie Kreis- und Rechtecktaschen herzustellen sind. Sie versagen jedoch, wenn es darum geht, Taschen abseits der Standardform zu erstellen. Für diese Fälle hat Heidenhain den SL-Zyklus ersonnen. Damit ist es möglich, beliebig geformte Taschen herauszufräsen. Doch dieser Zyklus kann noch mehr. Er eignet sich auch dafür, Taschen mit Inseln herzustellen. Sogar an einen Vorbohrzyklus haben die Entwickler hier gedacht, um auch Werkzeuge einsetzen zu können, die nicht zum Eintauchen gedacht sind.


Der Umgang mit dem SL-Zyklus erschließt sich nicht sofort, wenn man die dahinterstehende Handhabungsidee noch nicht verstanden hat. Grob gesagt geht es darum, die Kontur der Tasche in ein Unterprogramm zu packen und vorab festzulegen, wie diese Kontur zu behandeln ist. Im Grunde wird nichts anderes gemacht, als bei den normalen Zyklen. Es werden Daten abgefragt, die das Abarbeiten einer Kontur erst möglich machen. Dazu gehören beispielsweise das Schlichtaufmaß, der Vorschub oder das Ausräumwerkzeug. Der Prozess des Ausräumens einer Kontur ist eigentlich eine Aneinanderreihung mehrerer Zyklen, die sich diese Arbeit teilen. Diese Zyklen haben Nummern und eine Klartextbezeichnung, was die Handhabung sehr erleichtert.

Wie jeder andere Zyklus bei einer Heidenhain-Steuerung wird auch der SL-Zyklus mit der Taste CYCL DEF erreicht. Nachdem diese Taste auf der Tastatur der Steuerung betätigt wurde, erscheint eine Softkey-Leiste, in der sich auch der Eintrag SL-ZYKLEN findet. Nachdem dieser Softkey betätigt wurde, erscheint eine weitere Softkey-Leiste mit den eigentlichen SL-Zyklen. Grob gesagt, kann man nun von links nach rechts die Softkeys durchwählen, um alle Eingaben, die für einen SL-Zyklus nötig sind, zu tätigen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Zyklen 21 bis 24 jeweils mit CYCL CALL aufgerufen werden müssen. Unbedingt ist auch an einen Werkzeugwechsel zu denken, damit nicht versehentlich die Schlichtarbeit mit einem Schruppwerkzeug durchgeführt wird!

Der Bohrzyklus 21 kann auch weggelassen werden, wenn das verwendete Fräswerkzeug zum Eintauchen geeignet ist. Ansonsten kann dieser Zyklus eine Startbohrung erzeugen, in die ein nachfolgendes Fräswerkzeug eintauchen kann.

Natürlich ist es in der iTNC530-Steuerung auch möglich, Taschen mit Inseln zu bearbeiten. Dazu ist es nötig, die Koordinaten der Tasche als eigenes Unterprogramm abzulegen. Zusätzlich ist in der Zyklusdefinition 14 die Nummer des Unterprogramms aufzunehmen. Das war es dann auch schon. Ab sofort berücksichtigt die Steuerung die Insel und räumt die Tasche entsprechend aus.

Der Zyklusaufbau


Wie schon erwähnt, kann der SL-Zyklus von links nach rechts definiert werden. Die Zyklusdefinition mit der Nummer 14 ist sozusagen der Kopf des SL-Zyklus. Hier werden alle Unterprogramme verwaltet, aus der sich die herzustellende Tasche ergibt.

Die Zyklusdefinition 20, die sich hinter dem Softkey KONTURDATEN verbirgt, sorgt dafür, dass die Tasche mit den richtigen Parametern gefertigt wird. Hier ist die Eingabe der Frästiefe ebenso möglich, wie die Aufmaße oder der Bearbeitungsdrehsinn.

Der SL-Zyklus 21 ist besonders praktisch, wenn es gilt, ohne lange Rechnerei eine Startbohrung für ein Werkzeug anzufertigen, das sich nicht für das Eintauchen in das volle Material eignet. Es muss lediglich die Bohrtiefe, der Vorschub und das Ausräumwerkzeug angegeben werden. Die Startposition berechnet die Steuerung selbst.

Alle Zyklen ab der Nummer 21 müssen explizit aufgerufen werden, so auch der Zyklus 21.

Natürlich muss auch an das Einwechseln des Fräswerkzeugs gedacht werden.

Für das Ausräumen ist der Zyklus 22 zuständig. Hier werden alle Parameter eingetragen, die für eine einwandfreie Ausräumung der Tasche sorgen.

Natürlich muss auch dieser Zyklus explizit aufgerufen werden.

Damit die Tasche in der Tiefe korrekt bearbeitet wird, gibt es den SL-Zyklus 23. Dieser sorgt dafür, dass die Vorschübe der Aufgabe angepasst werden. Auch dieser muss explizit aufgerufen werden, damit er zum Einsatz kommt.

Der SL-Zyklus 24 ist zuständig für das korrekte Schlichten der Taschenwandung. Natürlich gilt auch für diesen, dass er aufgerufen werden muss, um abgearbeitet zu werden.

Das Ende eines Programms ist am Befehl M30 ersichtlich. Nach diesem Befehl können Unterprogramm angehängt werden. Sie können vom Hauptprogramm aus aufgerufen und abgearbeitet werden. Auch der SL-Zyklus ist in der Lage, auf diese zuzugreifen. Dadurch ist es ein Kinderspiel, komplizierte Konturen zu verschachteln und auf diese Weise rasch zur gewünschten Tasche zu kommen.

Es schadet nicht, in diesem Beispielprogramm ein wenig zu spielen, um seine Funktionsweise kennenzulernen. Es kann beispielsweise sehr schön dargestellt werden, wie die Handhabung der Parameter D+ und D- beim Kreisfräsen zu erfolgen hat. Wird das Programm wechselweise mit den beiden Vorzeichen abgeändert, wird bei der Simulation erkennbar, dass + die Gegenuhrzeigerrichtung meint und – die Uhrzeigerrichtung. Das ist ja auch logisch, denn positive Winkel drehen sich immer gegen den Uhrzeigersinn.

Download

Ein Skript zum Umgang mit dem SL-Zyklus können Sie hier im PDF-Format [978 KB] herunterladen. Dieses Skript zeigt auf anschauliche Weise, wie man den SL-Zyklus einsetzt.

 

War dieser Artikel für Sie hilfreich?

Bitte bewerten Sie diese Seite durch Klick auf die Symbole.

Zugriffe heute: 1 - gesamt: 12175.