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Bodenständiger Mittelständler

Knoll Maschinenbau im Fokus

Das Unternehmen Knoll Maschinenbau gehört in Sachen Fördern, Filtern und Pumpen von Kühlschmierstoffen und Spänen zu den führenden Anbietern der Branche und steht seit 1970 für Innovation, Fortschritt und Wachstum. Matthias Knoll, Geschäftsführer und Sohn des Firmengründers, leitet zusammen mit seinem Bruder Jürgen Knoll das rührige Unternehmen und gibt Einblicke in eine faszinierende, weltweit aktive Firma, deren Produkte moderne Werkzeugmaschinen zu ihrer Leistungskraft verhelfen.

Matthias Knoll

Geschäftsführer der Knoll Maschinenbau GmbH




Sehr geehrter Herr Knoll, was war der Antrieb Ihres Vaters, sich 1970 mit Filteranlagen selbstständig zu machen?


Mein Vater hatte die tolle Idee, sich mit einem neu entwickelten Zyklonfilter selbstständig zu machen. Dieser Filter wurde für die Reinigung von Kühlschmiermitteln an Centerless-Schleifmaschinen eingesetzt. Der Wunsch nach Selbstständigkeit war größer als die Aussicht auf eine glänzende Karriere als Angestellter.

Das Unternehmen ist ja damals eine echte Garagenfirma gewesen. Sie waren zu dieser Zeit ein Kind. Können Sie sich an die Anfänge noch erinnern?

Ich war gerade 12 Jahre alt, als mein Vater die Firma gründete. Die ersten zwei Jahre pendelte er täglich zwischen dem damaligen Wohnort am Bodensee und dem oberschwäbischen Bad Saulgau. Meinen Vater sah ich unter der Woche praktisch nie, er arbeitete ständig in der Firma oder war auf Kundenbesuchen unterwegs. Am Wochenende wurde das Esszimmer zum Konstruktionsbüro umfunktioniert. Begleitet wurde er mit Klängen von Mantovani (natürlich auf Schallplatte). Nach zwei Jahren erfolgte der Umzug nach Bad Saulgau. Mein Bruder und ich arbeiteten 2 bis 3 Mal pro Woche in der kleinen Halle mit einer Fläche von 200 qm. Wir durften bohren, entgraten und Leisten montieren. Am Wochenende wurde die Halle gekehrt – natürlich unter Verwendung von Sägemehl und Wasser, damit es nicht staubte.

Wie hat Ihr Vater es damals mit der Fertigungstiefe gehalten? Hatte er viele Zulieferer?

Es gab keine Fertigungstiefe. So wurde ausschließlich entwickelt, montiert und lackiert. Demzufolge war die Zahl der Zulieferer relativ hoch. Schweißkonstruktionen, Pumpen, Bleche bis hin zu Inbetriebnahmen wurden als Leistung zugekauft.

Sehr bald sind neue Produkte, wie etwa Kratzbandförderer, ins Portfolio gekommen. War dies eine Entscheidung, die durch Marktbeobachtung getroffen wurde oder sind die Abnehmer von sich aus mit der Idee zu Ihnen gekommen?

Marktstudien bzw. Marktpotentialanalysen gab es nicht. Gesunder Menschenverstand und Bauchentscheidungen waren die Regel. Speziell bei Rundtaktmaschinen, wo in der Regel kurze, gebrochene Späne anfallen, war der Kratzbandförderer mehr als nur eine Alternative zu den damals oft eingesetzten Scharnierbandförderern. Heute wird praktisch jedes Bearbeitungszentrum mit einem Kratzbandförderer ausgerüstet.

1983 sind Sie Herr Knoll in die Geschäftsleitung mit eingestiegen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet, Mitlenker einer Firma mit damals 95 84 Mitarbeitern zu sein?

Nach dem Studium schnupperte ich für einige Zeit in den Verkauf. Hier durfte ich Produkte kalkulieren und auch die entsprechenden Angebote ausarbeiten. In den ersten beiden Jahren hatte ich keinen eigenen Schreibtisch. Mein Arbeitsplatz bzw. meine Wirkungsstätte war von früh bis spät an Vaters‘ Seite. Danach folgte ein Auslandsjahr bei Trumpf in England. Nach meiner Rückkehr hatte ich einen Geschäftsführerkollegen für den technischen Bereich an meiner Seite. Hier bin ich Manfred Knobelspies zu großem Dank verpflichtet. Es hat riesig Spaß gemacht, mit zwei Vollbluttechnikern (Manfred Knobelspies und Walter Knoll, Anm. d. Red.) die Geschicke des stärker wachsenden Unternehmens zu leiten.

Bis 1989 waren Filterprodukte das Standbein des Unternehmens Knoll. Ab diesem Zeitpunkt sind jedoch Schraubenspindelpumpen hinzugekommen. Was hat Sie dazu bewogen, Pumpen ins Portfolio zu nehmen?

Die Aluminiumbearbeitung in den Automobilwerken legte sprunghaft zu. Letztendlich mussten die Automobile oder besser gesagt die Motoren leichter werden. Die zum Teil hohen Siliziumanteile im Aluminium konnten nicht 100 %-ig separiert werden und haben herkömmliche Schraubenspindelpumpen mit Graugussgehäuse nach kurzer Einsatzdauer regelrecht zerstört. Wir haben den Durchbruch mit einem hochverschleißfesten Gehäuse geschafft unter Verwendung einer Siliziumcarbidschale. Die großen Vorteile unserer Schraubenspindelpumpe KTS liegen in der extrem hohen Verschleißfestigkeit und der Verfügbarkeit ab Lager.

Das Unternehmen Knoll wuchs beständig. Bereits 2003 wurde eine weitere Produktionshalle mit 4000 qm Fläche eingeweiht. 2007 wurde die Schweißerei erweitert und 2008 das Büro und die Produktion. Welche Ziele haben Sie noch im Visier?

Just haben wir die neue Versandhalle mit einem überdachten Verladebereich bezogen. Die Größe beträgt 2.500 qm. Unser Masterplan sieht eine zusätzliche Erweiterung der Produktionsflächen vor. Hier werden Lager, Blechfertigung und Schweißerei integriert. Die Größe wird ca. 7.500 qm betragen. Somit können wir die optimale Lieferkette gewährleisten: Anlieferung, Blechbearbeitung, Schweißen, Verputzen, Waschen, Pulvern, Montieren, Prüfen, Versenden – alles in einem Fluss. Am Standort Bad Saulgau investieren wir in den nächsten zwei Jahren insgesamt 25 Mio. EUR für Gebäude, Maschinen und Infrastruktur.

In welchem Bereich stecken Ihre Cash-Cows?

Wir haben keine speziellen Gewinnbringer. Die Produkte werden mit positivem Deckungsbeitrag verkauft.

Auf Ihrer Homepage geht hervor, dass Sie aktuell unter anderem Servicemonteure suchen. Bekommen Sie trotz der großen Zahl von Arbeitslosen keine geeigneten Bewerber?

Wir fahren im Servicebereich mit einem guten Mix. 50 % unserer Servicearbeiten vergeben wir an Freelancer und die anderen 50 % bewältigen wir über eigene Servicekräfte. Es ist richtig, dass wir derzeit wenig geeignete Bewerbungen erhalten. Bei Servicemonteuren handelt es sich meistens um Spezialisten mit elektrischen und mechanischen Kenntnissen. Hier steuern wir seit Jahren dagegen und bilden unser eigenes Fachpersonal gezielt aus. Die Berufsbezeichnung lautet Mechatroniker.

Die eigene Ausbildung ist die beste Absicherung gegen den Facharbeitermangel. Wie viele Auszubildende stellen Sie jedes Jahr ein?

Jährlich stellen wir ca. 35 neue Auszubildende und Studenten ein. Die Ausbildungsquote liegt stets zwischen 10 und 12 Prozent unserer Gesamtbelegschaft. Diese ist eine wichtige Säule und ebenso eine langfristige Strategie von KNOLL, verbunden mit einer erstklassigen Ausbildungsqualität.

Können Sie die Klagen bestätigen, dass die jungen Leute heutzutage in zu großer Zahl nicht mehr ausbildungsfähig sind?

Die Jugendlichen absolvieren vor Ausbildungsbeginn ein Praktikum in unserem Unternehmen. In dieser Zeit lässt sich sehr gut feststellen, ob der Praktikant für den Ausbildungsberuf geeignet ist und zu uns passt. Aufgrund dieser Vorauswahl haben wir keinerlei Probleme mit der Ausbildungsfähigkeit unserer Auszubildenden.

Was sollten die jungen Leute für Kompetenzen besitzen, damit Ssie bei Ihnen eine Stelle bekommen können?

Sozialkompetenz und Teamfähigkeit sind sehr wichtig. Auf Pünktlichkeit, Ordnung und Sauberkeit legen wir größten Wert.

Als Hersteller wichtiger Maschinensysteme sind Sie daran interessiert, dass Ihre Produkte höchsten Anforderungen genügen. Ihr Unternehmen ist nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Eine Zertifizierung wird von nicht wenigen Unternehmern sehr kritisch gesehen. Vielfach wird die Zertifizierung nur vorgenommen, um keine Aufträge zu verlieren. Wie sehen Sie diese Norm? Hat sie Ihnen Vorteile gebracht?

Unser Unternehmen ist seit 1998 nach der Norm DIN EN ISO 9001 zertifiziert. Diese Norm fordert vom Unternehmen und den Mitarbeitern eine gewisse Disziplin im Alltag. Die Inhalte sind für uns Forderungen, die wir auch ohne Norm erfüllen würden. Im Benchmark mit anderen Unternehmen ermöglicht uns die Norm jedoch einen einfachen Vergleich. Die geforderten Verbesserungsprozesse und notwendigen Audits zeigen permanent Verbesserungspotenziale auf. Hieraus resultieren optimierte und verschlankte Abläufe. Ein weiterer Vorteil sind die einheitlich beschriebenen Prozesse mit Kennzahlen, die die Integration von neuen Mitarbeitern sehr erleichtert.

Fühlen Sie sich als Unternehmer in Deutschland gut aufgehoben? Immerhin wurden Stimmen laut, Reichtum, was immer man darunter versteht, umzuverteilen, um die gegenwärtige Krise besser zu bewältigen.

Der Vorteil des Standorts Deutschland ist die hohe Mitarbeiterqualifikation durch eine duale Berufsausbildung und die gute Infrastruktur. 25 % der Einkommensteuerpflichtigen bezahlen 75 Prozent des Einkommensteueraufkommens in Deutschland. Soll diese Gruppierung künftig 100 % bezahlen? Eine Einführung zusätzlicher Steuern, wie die Vermögenssteuer, hätte für uns Mittelständler, die mit einer sehr hohen Eigenkapitalquote wirtschaften, katastrophale Auswirkungen. Letztendlich wird die Substanz besteuert und nicht der Ertrag. Wer soll dann zukünftig noch Investitionen tätigen? Diskutieren kann man mit Sicherheit über die hohen Jahresgehälter der DAX-/Bank- und Versicherungsvorstände. In einer GmbH werden die Gehälter nach Betriebsgröße und Umsatz gedeckelt. Warum nicht auch in den genannten Unternehmen/Institutionen?

Finden Sie es richtig, dass Sie im Fall eines Kredits wesentlich höhere Zinsen zahlen müssen als Banken, die die Ursache für die gegenwärtige Krise sind?

Wir hatten und haben eine Bankenkrise, die durch unverantwortliches Handeln einiger Banken entstanden ist. Im Übrigen auch durch Banken, die im Grunde genommen staatlich kontrolliert werden, wie zum Beispiel die Landesbanken. Die Zinsen sind auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. Können Sie sich erinnern, wann man einen Hypothekenzins unter 3 Prozent bekommen konnte? Die Ursache unserer heutigen Krise ist die hohe Staatsverschuldung, die nur zu einem kleinen Teil durch die Bankenrettung verursacht wurde. Seit sage und schreibe 50 Jahren hinterlässt jede Regierung eine höhere Staatsverschuldung als ihre Vorgängerin. Viele verbuchen es schon als Erfolg, wenn die Neuverschuldung bei 3 Prozent liegt. Diese Ausgabenmentalität muss ein Ende finden und ist durch höhere Steuern bestimmt nicht zu lösen.


Immer mehr Manager und Unternehmer fordern, dass Banken zerschlagen werden müssen, damit sie wieder zum Diener der Realwirtschaft werden. Der Wertpapierhandel hat sich völlig vom realen Unternehmen abgekoppelt, wie man an den Börsenkursen sehen kann, die oftmals überhaupt nicht mit der echten wirtschaftlichen Kraft eines Unternehmens korrelieren. Wie ist Ihre Meinung dazu?


Finanzprodukte wie Leerverkäufe sollten verboten werden. Auch der Staat handelt nicht anders: Kein Finanzprodukt wurde so umfassend beworben wie die Telekom-Aktie. Mit Prominenten wurde dem Bürger vorgegaukelt, was der Aktienankauf des damals staatlichen Unternehmens für eine tolle Investition sei. Das Papier wurde für einen Kurs von 60 EUR als Volksaktie angeboten und verkauft. Heute notiert der Kurs weit unter 9 EUR. Die Börse bewertet die Zukunft, nicht aber die Vergangenheit. Momentan wird der Kurs durch die Liquidität der Aktienunternehmen getrieben. In Deutschland haben wir mit den Kreissparkassen und Genossenschaftsbanken eine gute Bankenstruktur, jedoch brauchen wir auch einen Global Player wie die Deutsche Bank.

Die öffentlichen Kassen feiern Rekordeinnahmen. Geld, das auch von den Unternehmen und den Beschäftigten kommt. Dennoch werden für den Bundeshaushalt immer neue Schulden aufgenommen. Wenn Sie als Unternehmer so wirtschaften würden, wäre wohl bald eine Anklage wegen Insolvenzverschleppung fällig. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Leider werden Politiker immer noch für Wahlgeschenke belohnt, die in der Regel immer mit höheren Ausgaben verbunden sind. Ich würde mich freuen, wenn die Bevölkerung diese Misere nicht mehr akzeptiert. Altbundeskanzler Schröder wurde für seine Agenda 2010 abgestraft, die zu unserem Wohlstand und Erfolg im globalen Wettbewerb führte. Besorgniserregend ist die Schuldentilgung mit neu aufgenommenen Schulden. Diese Entwicklung ist desaströs und kann auf Dauer nicht funktionieren.

Es wird immer deutlicher, dass die Energiewende massive Webfehler hat. Große Stromverbraucher werden gegen Entschädigungszahlung gebeten, Ihre Anlagen herunterzufahren, wenn ein Stromengpass herrscht. Sind auch Sie davon betroffen?

Bisher haben wir von einem Stromengpass nichts gespürt. Ich denke jedoch, dass es nach Fukushima der richtige Weg war, die Energiewende zu forcieren. Ich denke auch, dass der Atomausstieg zwar bezahlbar, aber der Umbau des Energiesystems ein Kraftakt wird. Der eingeschlagene Weg zu dem erklärten Ziel ist eventuell zu kurz.

Würde Ihr Unternehmen profitieren, wenn es keine Nationalstaaten mehr gäbe, sondern nur noch ein Europa, dessen Hauptstadtt Brüssel ist?

Über diese Frage mache ich mir keine Gedanken. Wir haben in der EU jetzt 27 Mitgliedstaaten, sprechen 23 verschiedene Sprachen, haben unterschiedliche Finanz- und Steuersysteme, Krankensysteme uvm. Ihre Vision wird nie und nimmer eintreten. Schauen Sie, nicht einmal in Deutschland sind sich die Bundesländer einig über ein einheitliches Schulsystem oder Steuersystem, so wie es jüngst Bayern gefordert hat.

Welchen Rat geben Sie der Politik, damit Unternehmen, wie das Ihre, weiterhin wachsen und gedeihen? Schließlich sind gesunde Unternehmen unter anderem ein Garant für den sozialen Frieden.

Von unserer Regierung verlange ich klare Signale in der Finanzpolitik. Schuldenbremsen in allen Ländern, Finanztransaktionssteuern und eine europäische Wirtschaftsregierung sind Themen, die gesetzlich verabschiedet werden müssen. Die Stabilitätskriterien von Maastricht sind wiederzubeleben und zu verschärfen. Ich bin davon überzeugt, dass ein Schuldenabbau ohne Einschnitte in die Infrastruktur und das Sozialsystem möglich ist. Dafür benötigt der Staat jedoch ein Effizienzprogramm, wie es die guten Unternehmen in Deutschland vorgemacht haben. Letztendlich gibt es Wachstumschancen, wenn die Politik die unternehmerische Freiheit nicht zusätzlich belastet durch neue Steuern, Abgaben und bürokratische Auflagen.

Herr Knoll, vielen Dank für das Interview.

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Mehr Informationen zu Knoll Maschinenbau:

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Knoll Maschinenbau
Schwarzachstraße 20
88348 Bad Saulgau
Tel.: +49 (0) 75 81 / 20 08-0
E-Mail: info.itworks@knoll-mb.de
www.knoll-mb.de
 

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