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Kernkraft als bessere Alternative

Garant für Deutschlands Wohlstand

Kernkraft steht für saubere, sichere und zuverlässige Energieversorgung. Unverantwortliche Akteure haben es jedoch geschafft, diese Technik zumindest in Deutschland aufs Abstellgleis zu schieben. Dass dies für die hier lebenden Menschen mittelfristig massive Einschnitte hinsichtlich des Wohlstands bedeutet, erläutert Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke.

Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke, Physiker

Sehr geehrter Herr Prof. Lüdecke, Deutschland war einmal eine führende Nation in der Entwicklung von Kernkraftwerken. Nun sollen die letzten noch verbliebenen Reaktoren bis zum Jahr 2022 abgeschaltet werden. Ein historischer Fehler?

Prof. Dr. Horst-Joachim ­Lüdecke:
Ja, es war sogar ein nachhaltiger Fehler. Deutschland hat Kernkraftwerke des technischen Stands und höchster Sicherheit im Wert vieler Milliarden Euro einfach weggeworfen. Als weitere schädliche Folge dieser irrsinnigen Maßnahme ist die deutsche Expertise in der Kernkraftwerksentwicklung inzwischen fast vollständig verschwunden.

Die Entscheidung zum Ausstieg wurde nach den Ereignissen in Fukushima getroffen, wo 2011 ein Tsunami zum Ausfall der Kühlanlage des dortigen Kernkraftwerks führte, in dessen Folge eine Schmelze der Brennelemente eintrat. Das japanische Kraftwerk war demnach nur unzureichend gegen derartige Ereignisse gerüstet. Obwohl es in Deutschland keine Tsunamis gibt, wurde der Ausstieg beschlossen. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

Lüdecke:
Als komplett unsinnig. Wir zeigen wieder einmal der restlichen Welt unvergleichbare Sturheit, verbunden mit ebenso unvergleichbarer Dummheit. Es gab in der Geschichte der Menschheit meines Wissens nach noch kein einziges Land, welches bewusst die Zerstörung der eigenen Infrastruktur zu seinen politischen Hauptzielen erklärte und dieses Ziel dann auch mit aller Konsequenz verfolgt hat. Ich meine damit die sogenannte deutsche Energiewende. Zweifellos ist hier Deutschland einsamer weltweiter Vorreiter.

Nun wurden in Deutschland noch in den 80er Jahren Kernkraftwerke der Generation IV entwickelt. Diese glänzten mit ihrer passiven, inhärenten Sicherheit. Was ist darunter zu verstehen und wie waren diese Kraftwerke in der Lage, diese Sicherheit zu gewährleisten?

Lüdecke:
Davon kann in voller Allgemeinheit nicht die Rede sein. In Deutschland gab es nur zwei Entwicklungen der Generation IV, den mit Thorium betriebenen THR-300 (Kugelhaufenreaktor) in Hamm-Uentrop sowie den SNR-300 in Kalkar (schneller Brüter). Diese beiden damaligen Kernkraftwerke der Generation IV entsprachen dem neuesten Stand in Technik und Sicherheit, aber nur den Kugelhaufenreaktor kann man zu den inhärent sicheren Kernkraftwerkstypen zählen. Die Definition von ›inhärent sicher‹ ist etwas schwierig. Kurz gesagt, kommt es auf die Einfachheit des Sicherheitskonzepts an. Inhärente Sicherheit zeichnet sich durch einfache, selbst für den Laien erkennbare Mechanismen aus. Je komplexer der Mechanismus (etwa Elektronik), desto fehleranfälliger. Diese Einfachheit trifft für das deutsche Papierprojekt des Dual Fluid Reaktors (DFR) zu, nicht aber für alle Kernkraftwerkstypen der Generation IV. Auch die heutigen Leichtwasserreaktoren sind zwar inhärent sicher, was ein „Überschießen“ wie bei Tschernobyl angeht. Bei Überhitzung setzt nämlich aus physikalischen Gründen der Spaltprozess automatisch aus. Technisch kann es durch die Restwärme aber zu einer Kernschmelze kommen, der Leichtwasserreaktor ist also nicht ›technisch inhärent sicher‹.

Viele Menschen besitzen die Vorstellung, dass Kernkraftwerke wie eine Atombombe explodieren können. Was sagen Sie diesen Menschen?

Lüdecke:
Diese Befürchtung ist unbegründet. Der Vorstellung liegt fälschlicherweise das Verhalten von klassischem Sprengstoff wie Dynamit zugrunde, welches nur eine einfache Zündschnur benötigt um zu explodieren. Bei einer Kernwaffe verhält es sich aber gerade umgekehrt. Man muss einen ungeheuren Aufwand an Hightech treiben, um eine Kernladung überhaupt zur extrem schnellen Kettenreaktion und damit zur Explosion zu bringen. Das haben bis heute nur relativ wenige Nationen geschafft. Von selbst, durch Zufall, durch technische Fehler oder durch Bedienungsfehler kann ein Kernreaktor prinzipiell niemals zu einer Kernwaffe werden und explodieren.

Vielfach wird von interessierter Seite behauptet, dass eine Strahlenquelle in der Lage sei, einen bestrahlten Gegenstand oder Organismus derart zu konditionieren, dass dieser ebenfalls zu strahlen beginnt. Können Sie diese Behauptung entkräften?

Lüdecke:
Die Umwandlung stabiler in instabile radioaktive Stoffe durch Bestrahlung (Aktivierung) ist bei vielen Elementen möglich. Solch eine Aktivierung ist aber bereits bei der Bestrahlung von Lebensmitteln unmessbar klein, denn Lebensmittel enthalten praktisch keine aktivierungsfähigen Elemente. Bei Organismen ist Aktivierung durch Bestrahlung gänzlich ausgeschlossen.

Sowohl beim Verbrennen von Kohle als auch bei Kernkraftwerken treten radioaktive Stoffe aus. Was sagen Sie dazu?

Lüdecke:
Die sowohl von Kohlekraftwerken als auch von Kernkraftwerken verursachten radioaktiven Emissionen liegen um Größenordnungen unter der natürlichen Umgebungsaktivität und gehen in ihr völlig unter. Dies gilt sogar für die unmittelbare Nachbarschaft von Kohle- oder Kernkraftwerken. Bedenken sind hier unangebracht.

In Ihrem Buch ›Kernenergie‹, das Dr. Götz Ruprecht und Sie zusammen geschrieben haben, ist zu lesen, dass die natürliche Strahlung in vielen Regionen der Erde weit intensiver als die der „radioaktiv verseuchten“ Gebiete in Tschernobyl und Fukushima sei. Bitte nennen Sie die Orte und deren Expositionswerte.

Lüdecke:
Diese Orte sind zum Beispiel (mSv in Jahreswerten) Ramsar, Iran mit 450 mSv, Guapari (Strand) Brasilien mit 200 mSv, Spanien Frankreich, Finnland mit 10 mSv, Fukushima-Havarie mit unter 10 mSv. Zum Vergleich haben wir In Deutschland durchschnittlich nur eine Belastung von 2,1 mSv. Allein schon eine Ganzkörper-Computertomographie erzeugt 20 mSv und übersteigt den deutschen Umgebungsmittelwert eines Jahres um etwa das Zehnfache. Zu betonen ist außerdem: Ohne einen ungefährlich schwachen Grundpegel radioaktiver Strahlung gäbe es kein gesundes Leben und keine Evolution wie wir sie kennen. Die allgemeine Annahme, dass Radioaktivität bis herunter zum Wert Null schädlich sei (LNT-Hypothese), ist gemäß vielen begutachteten Fachveröffentlichungen falsch. Nun kann man fragen, warum dies so wenig bekannt ist. Der Grund ist politisch. Man hat der Bevölkerung Jahrzehnte lang eine tiefe Furcht vor jeglicher Radioaktivität eingetrichtert – ohne die Differenzierung, dass Radioaktivität unter einer unbedenklichen Grenze sogar gesundheitsfördernd ist, wie radioaktive Soleheilbäder belegen. Von der „Nummer“, dass Radioaktivität generell gefährlich sei, kommt man nun nicht mehr herunter. Es war zum Beispiel sachlich unsinnig, die mit einer völlig unbedenklichen Intensität kontaminierte Umgebung von Fukushima zu evakuieren. Die japanische Regierung war dazu aber trotz besseren Wissens gezwungen, sonst hätte es vermutlich ­einen Volksaufstand gegeben.

Gibt es eine Statistik, aus der man ersieht, dass die dort lebenden Menschen häufiger an Krebs erkranken beziehungsweise eine geringere Lebenserwartung haben?

Lüdecke:
Nein, einige begutachtete Facharbeiten zeigen sogar teilweise das Gegenteil. Über die Krebshäufigkeiten der Bevölkerungen zum Beispiel von Ramsar mit einer über 200-fach höheren radioaktiven Belastung wie in Deutschland oder auch über die Bevölkerung der „hoch belasteten“ Stränden von Guapari in Brasilien ist nichts Ungewöhnliches in Sachen Krebshäufigkeiten bekannt. Auch Piloten und Stewardessen sind während ihrer Flugzeiten deutlich höherer Radioaktivität ausgesetzt als wir am Boden. Bei dieser Personengruppe findet man ebensowenig Krebshäufigkeiten über dem Bevölkerungsdurchschnitt.

Nun besitzt unser Körper Reparaturmechanismen, um Schäden – die beispielsweise durch Radioaktivität entstehen – zu beseitigen. Demnach ist Radioaktivität bis zu einem gewissen Grad für Menschen ungefährlich?

Lüdecke:
Das stimmt, unser Organismus weist solche Reparaturmechanismen auf. Schwache Radioaktivität ist nicht nur ungefährlich, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar vorteilhaft. Radioaktive Soleheilbäder hatte ich bereits erwähnt. Unser Immunsystem und das Zellen-Reparatursystem unseres Körpers brauchen Training. Ohne die permanente Abwehr von Bakterien und Viren, die unsere Überwachungs- und Reparatursysteme auf Trab halten, wären diese Systeme schnell am Ende, und der kleinste Virenangriff wäre bereits tödlich. Analoges gilt offenbar auch für die Radioaktivität unserer Umgebung, der jedes Lebewesen dieser Erde seit Beginn des organischen Lebens überhaupt ausgesetzt war. Schon Paracelsus sprach zutreffend von ›Die Dosis macht das Gift‹. Viele Gifte sind in geringer Dosis sogar heilsam. Analog verhält es sich mit Radioaktivität.

Ohne Radioaktivität gäbe es sicher keine Menschen, da die dazu nötige Evolution wohl nicht oder wesentlich langsamer stattgefunden hätte. Welche Grenzen müssen eingehalten werden, damit Radioaktivität segensreich wirkt?

Lüdecke:
Darüber ist leider noch zu wenig bekannt. Vermutlich liegen die Grenzen von tatsächlich schädlicher radioaktiver Strahlung wesentlich höher als es die offiziellen Vorschriften angeben. Dies zeigen bereits die von mir schon genannten extremen Umgebungswerte in Weltregionen, in denen keine gesundheitsschädigenden Einflüsse auf die dortige Bevölkerung bekannt sind. Die offiziellen Vorschriften sind dennoch gut verständlich, denn die Politik will der weitverbreiteten Strahlenangst wegen unter allen Umständen auf der sicheren Seite liegen. Allein schon aus diesem Grunde wird es wohl noch sehr lange dauern, bis auch in den offiziell zulässigen Belastungen korrekte Werte einfließen. Diese müssen aber auch erst einmal zweifelsfrei nachgewiesen sein. Und dies erfordert noch eine erhebliche und zeitaufwendige Forschung.

Nun wird oft angeführt, dass radioaktiver Abfall über Millionen von Jahren sicher zu lagern sei, bis er eines Tages ungefährlich geworden ist. Was sagen Sie zu dieser Behauptung?

Lüdecke:
Diese Aussage ist in ihrer Allgemeinheit falsch. Aus physikalischen Gründen klingt stark strahlender radioaktiver Abfall schnell, schwach strahlender dagegen langsam ab. Welcher Abfall wie lange zu lagern ist, hängt von dessen physikalischen Eigenschaften ab. Die stark strahlenden abgebrannten Brennstäbe der heutigen Kernkraftwerke lässt man über Jahre in Wasserbecken und anschließend über Jahrzehnte im Zwischenlager abklingen. Diese Art von Abfall verbringt man dann unterirdisch in dafür geeignete Endlager. Das wird heute überall in den Ländern so gemacht, welche Kernkraftwerke betreiben. Probleme gibt es dabei kaum, im Gegenteil. Von Frankreich ist bekannt, dass sich dort sogar Gemeinden als Endlagerstandorte für radioaktiven Abfall bewerben.

In Ihrem Buch ist die Rede von einer „nuklearen Schokoladentafel“ mit der Sie das Entsorgungsszenario radioaktiven Mülls plastisch erläutern. Was hat es damit auf sich?

Lüdecke:
Mit diesem Bild einer Schokoladentafel wird gezeigt, dass die langfristig zu lagernden Abfälle heutiger Kernreaktoren erstaunlich gering sind. Es wird von den Medien leider nicht kommuniziert, dass alle aus Medizin und Kernkraftwerken stammenden radioaktiven Abfälle seit Beginn der Nutzung von Kernenergie und von strahlenden Isotopen der Nuklearmedizin bis zum Jahr 2040 nur einem Würfel von rund 27 m Kantenlänge entsprechen. Dieser Würfel könnte sogar noch wesentlich kleiner sein, wenn hierzulande die Uranabtrennung erlaubt wäre – technische Gründe sprechen nicht dagegen. Das „Endlagerproblem“ ist hierzulande anscheinend „unlösbar“. In der restlichen Welt der Kernkraftnutzung ist es erstaunlicherweise ohne Probleme gelöst, niemand spricht dort noch über solche Selbstverständlichkeiten.

Während der radioaktive Zerfall dafür sorgt, dass radioaktive Abfälle eines Tages ungefährlich werden, ist dies bei chemischen Abfällen nicht der Fall. Bleiben diese demnach für alle Zeiten gefährlich?

Lüdecke:
Ja, denn bei chemischen Giftstoffen gibt es keinen Mechanismus, der den Abfall unschädlich werden lässt. Er bleibt uns ewig erhalten. Die hochtoxischen Abfallmengen der Chemie machen übrigens ein Tausendfaches der nuklearen Abfallmenge aus, ohne dass sich darüber die Medien Gedanken machen.

Demnach birgt die Energiewende beziehungsweise die Elektromobilität immense Gefahren hinsichtlich der dazu nötigen Chemikalien und deren Entsorgung?

Lüdecke:
Ja. Ein paar Millionen E-Autos und die Entsorgungs- sowie Umweltprobleme wären bereits enorm. Die erforderliche Infrastruktur zur Behebung dieser Probleme muss erst noch geschaffen werden. Nicht nur beim Auto ist das Gesamtsystem zu betrachten, das sich von der Herstellung über den Kraftstoffverbrauch bis hin zur Entsorgung erstreckt. Nimmt man diese Gesamtbetrachtung als Beurteilung, ist das Elektroauto in großem Maßstab grober Unsinn. Seine politische Propagierung dient offensichtlich allein den Zwecken, der Bevölkerung lange Autoreisen unmöglich zu machen und außerdem die extrem leistungsschwachen und teuren neuen Energien voranzutreiben. Dass man damit nicht nur den weiteren Bau und die Entwicklung von modernsten Benzin- und Dieselmotoren als Garant unserer wirtschaftlichen Prosperität und unseres Wohlstands vernichten will, wird von der gegenwärtigen Politik billigend hingenommen.

Heutige Reaktoren sind nicht besonders effektiv im Umgang mit dem Kernbrennstoff. Diese unvollständige Verbrennung sollen neue Kernkraftwerkskonzepte eliminieren. In Ihrem Buch werden Reaktoren der Generation IV und hier insbesondere der Dual-Fluid-Reaktor genannt, die dies ermöglichen sollen. Wie ist deren Funktionsweise?

Lüdecke:
Kernreaktoren der Generation IV. arbeiten mit Neutronen höherer Energie (Schnellspaltreaktoren) als die heutigen Typen, was maßgebende Vorteile mit sich bringt. Die wichtigsten sind eine fast vollständige Ausnutzung des Brennstoffs sowie die Erzeugung höherer Arbeitstemperaturen infolge einer kompakteren Bauweise mit hochwertigeren Materialien, die höheren Kraftwerkswirkungsgraden entsprechen.

Welchen Vorteil hat die Verwendung eines flüssigen Brennstoffs für ein Kernkraftwerk?

Lüdecke:
In diesem Fall kann der Reaktorkern nicht schmelzen, denn er ist bereits flüssig. Dieser Flüssigkeit kann man abgebrannte Bestandteile im laufenden Betrieb problemlos entnehmen und neue Bestandteile hinzufügen. Dies ist entscheidend. Beim Feststoffreaktor müssen dazu die Brennstäbe komplett ausgetauscht werden, ein wesentlich schwierigerer, umständlicherer und teurerer Vorgang. Außerdem kann so der Reaktor immer bei seinem optimalen Arbeitspunkt betrieben werden.

Aus welchem Material muss die Ummantelung des Reaktorkerns bestehen, der ständig mit flüssigem Brennstoff in Kontakt ist?

Lüdecke:
Es sind Speziallegierungen erforderlich, die es bereits seit längerem gibt.

Konnte das Material bereits seine Beständigkeit unter Beweis stellen?

Lüdecke:
Theoretisch und gemäß ihren technischen Spezifikationen sind diese Materialien für den DFR geeignet. Aber das reicht noch nicht, denn langzeitliche Erprobungen im praktischen Betrieb sind unverzichtbar. Hierzu ist ein Prototyp des DFR erforderlich, der noch nicht in Sicht ist, aber hoffentlich bald realisiert werden kann.

Angenommen, es tritt ein technischer Defekt auf, der Reaktor muss daher heruntergefahren werden. Wie funktioniert dies beim Dual-Fluid-Reaktor?

Lüdecke:
Bei Überhitzung sinkt die Wärmeproduktion allein durch Ausdehnung des Brennstoffs in Bruchteilen einer Sekunde – der Reaktor regelt sich selbst. Geht etwas schief bei der Brennstoffbeimischung, sodass die Solltemperatur zu hoch ist, geht automatisch die Schmelzsicherung auf, der Brennstoff fließt ab, entspannt sich dabei, und die Kernspaltung setzt infolgedessen aus. Das Prinzip des DFR ist daher inhärent sicher.

Mit welchen Abmessungen ist beim nach diesem innovativen Konzept gebauten, kommerziellen Dual-Fluid-Reaktor zu rechnen?

Lüdecke:
Der Reaktor würde wesentlich kleinere Abmessungen als sie die heutigen klassischen Leichtwasserreaktoren besitzen.
Wäre es möglich, mit diesem Reaktortyp auf kostengünstige Art synthetische Kraftstoffe zu produzieren?

Lüdecke:
Ja, der sehr hohen erforderlichen Temperaturen wegen, die mit dem DFR erreichbar sind. Hohe Temperaturen sind die wesentliche Voraussetzung um synthetische Kraftstoffe kostengünstig herzustellen.

Windkraftwerke haben ­einen Erntefaktor von 3,9, Solarzellen von 1,6 und Druckwasserreaktoren von rund 75. Der DFR hingegen wartet mit einem Erntefaktor von bis zu 5 000 auf. Dieser Reaktor liefert demnach Tag und Nacht Strom bei ­einem sehr geringen Flächen- und Ressourcenverbrauch?

Lüdecke:
Ja, so ist es. Erfüllt der DFR alle seine zumindest theoretisch bereits gesicherten Erwartungen, wäre damit das Energieproblem der Menschheit gelöst. Bei fast vollständiger Brennstoffausnutzung kann man auf die heute noch etwas unter der Wirtschaftlichkeitsgrenze liegende Urangewinnung aus dem Meer zurückgreifen, welche praktisch unendlich lange zur Verfügung steht.

Interessant ist, dass dieser Reaktortyp den „Abfall“ herkömmlicher Reaktoren nutzen kann, was ein Endlager für radioaktiven Müll überflüssig macht. Er wäre demnach die Lösung schlechthin, die Umwelt zu schonen und den CO2-Verbrauch zu senken. Haben Sie eine Erklärung, warum die Politik die Chancen dieses Reaktors nicht mit beiden Händen ergreift?

Lüdecke:
Ja, diese Erklärung gibt es: Die heutige Energiepolitik Deutschlands ist pure Grünideologie. Von Rationalität, Naturschutz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit ist bei Grün keine Spur zu sehen. Physik und technische Regeln wurden durch politische Wünsche ersetzt. Das kann niemals auf Dauer gutgehen. Wenn man es bewusst darauf angelegt hätte, die Energieversorgung Deutschlands als Lebensader unseres Wohlstands absichtlich zu zerstören, braucht man sich als perfektes Muster dieses törichten Vorhabens nur die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung anzusehen.

Sie erwähnten bereits, dass die Menschheit mit dem DFR alle Sorgen hinsichtlich zur Neige gehender Brennstoffe los wäre. Wie Sie in Ihrem Buch vorrechnen, würde der Brennstoff mehrere Millionen Jahre reichen, wenn dazu Uran aus dem Meerwasser gewonnen wird. Ein Grund mehr, die Urteilsfähigkeit eines großen Teils unserer Politiker in Zweifel zu ziehen?

Lüdecke:
Nur ein Grund, denn wie Sie schon sagen, es gibt leider noch viele weitere Gründe.

Ein waschechter Skandal ist, dass es ein perfides System gibt, den Verbraucher massiv zu täuschen, was den „Ökostrom“ betrifft: Über den Kauf von sogenannten RECS-Zertifikaten können Produzenten von Kohlestrom sich plötzlich rühmen, Ökostrom zu verkaufen. Diese Mogelpackung wird dann dem Verbraucher angedreht und Politiker feiern sich ob der Erfolge in Sachen Energiewende. Diese Art, Dinge schönzureden, kennt man von der untergegangenen DDR, in der die Vorteile des Sozialismus mit goldglänzenden Zahlen ausgeschmückt wurden. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Lüdecke:
Sie beschreiben es bereits korrekt, ich kann nur zustimmen.

Mittlerweile hat die Planwirtschaft Deutschland fest im Griff. Das EEG beispielsweise zahlt Betreibern von Wind- und Solaranlagen garantierte Einspeisevergütungen, egal ob der Strom benötigt wird. Die Folge sind stark steigende Strompreise und eine Verschandelung der Landschaft nebst Verlust an Lebensraum für viele Tier- und Insektenarten. Was kommt hier auf uns zu?

Lüdecke:
Wenn es mit der Energiewende so weitergeht wie bisher, wird der Morgen­thau-Plan nach dem zweiten Weltkrieg Wirklichkeit, der uns damals glücklicherweise erspart blieb. Deutschland wird von einer modernen Industrienation wieder zum Agrarland und driftet in Richtung Dritte Welt. Die gut ausgebildete technische Intelligenz ist dann bereits ausgewandert.

Wie sehen Sie persönlich die Zukunft Deutschlands, wenn der eingeschlagene Energiewende-Weg nicht korrigiert wird?

Lüdecke:
Leider rabenschwarz!

Sehr geehrter Herr Lüdecke, vielen Dank für das Interview!

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Dieses Interview finden Sie auch in Ausgabe 2/2021 auf Seite 16. Zum besagten Heft führt ein Klick auf den nachfolgenden Button!

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