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Technoseum - Technik zum Anfassen

Wo Kinderherzen höher schlagen

Wenn es einen Preis für das kinderfreundlichste Mitmach-Museum gäbe, wäre das Technoseum in Mannheim wohl ein heißer Titelfavorit. Es gibt nur wenige Museen, die so konsequent auf das Mitmachen und Entdecken ausgerichtet sind, wie dieses. Von der Sonnenuhr bis zum Atomkraftwerk, alles wird optimal aufbereitet und in den Kontext zur Industrialisierung gestellt. Junge Nachwuchs-Wissenschaftler bekommen so spielerisch das Rüstzeug, mit Technik zu jonglieren, um hoffentlich dereinst ebenso Weltbewegendes wie Thomas Alva Edison, Gottlieb Daimler oder Felix Wankel zu ersinnen.


Das Technoseum in Mannheim ist kein Museum, in dem nur alte Sammlerstücke dem staunenden Besucher präsentiert werden. Das Museum outet sich vielmehr als Lernort, bei dem Technik im wahrsten Wortsinn begriffen wird. Eingebettet in zahlreiche Exponate wird in Mannheim die Geschichte der Industrialisierung erzählt. An vielen Beispielen wird erläutert, dass der technische Fortschritt stets mit einer Kaskade von positiven und negativen Ereignissen einhergeht, die sich oftmals in ihrer Breite nicht überblicken lassen.

Es wird beispielsweise das Los der Weber erzählt, die schlecht entlohnt einer harten Arbeit nachgingen. Ohne Motoren waren Webstühle teilweise nur schwer und mit hohem körperlichen Einsatz zu bedienen, weshalb Frauen lange Zeit von dieser Arbeit ausgeschlossen waren. Dennoch wurde später gestreikt, nachdem automatische Webstühle mit externem Antrieb ersonnen wurden. Die Weber sahen ihre Arbeitsplätze bedroht.

Wie im Technoseum sehr schön sichtbar, ist eine neue Technik sicher zunächst etwas Bedrohliches für das eigene Los. Wie sich jedoch langfristig zeigt, birgt der technische Fortschritt großes Potenzial für mehr Wohlstand, da beispielsweise frühere Luxusartikel durch die Großserienfertigung im Preis wesentlich günstiger wurden. So konnten auch Geringverdiener bessere Kleider und feste Schuhe erwerben.

Automatisierung schafft Arbeitsplätze

Auch das im Technoseum stehende Teilstück einer Montagelinie für Porsche-Kraftfahrzeuge zeigt, dass trotz Automatisierung sehr viele Menschen im Automobilsektor in Lohn und Brot kommen und durch die Automatisierung das Produkt für nahezu jedermann erschwinglich wird. Ohne Großserienfertigung wären Kraftfahrzeuge heutiger Ausführung für den Normalbürger schlicht unbezahlbar. In der Folge würde sich der allgemeine technische Fortschritt ganz massiv verlangsamen, da eine teure Forschung sich nur Firmen leisten können, die entsprechende Gewinne erwirtschaften.

Auch der Wandel des Berufsbilds des Drehers zeigt, dass der technische Fortschritt mitnichten Arbeitsplätze im großen Stil vernichtet. Auch bezüglich dieses Berufes kann im Technoseum sehr schön nachvollzogen werden, dass ein anfänglich mühsamer Beruf nun im Hightech-Bereich angesiedelt ist. Heute werden keine gefährlichen Transmissionen mehr für den Antrieb der Drehmaschine bedient oder Drehmeißel selbst aus Werkzeugstahl geschmiedet.

Vielmehr programmiert ein bestens bezahlter Facharbeiter eine CNC-Maschine, die dann selbständig die gewünschten Teile herstellt. Dieser Facharbeiter hat mit seinen früheren Kollegen nur den Namen gemeinsam. Der heutige Dreher arbeitet in der Regel in einer sauberen Umgebung, da die entsprechenden Werkhallen heute lichtdurchflutet sowie freundlich sind und mit den dunklen Kaschemmen früherer Prägung rein gar nichts mehr gemeinsam haben. Auch dies wird in Mannheim bestens nachgestellt.

Erfindungen, die Geschichte schrieben

Wenn man die Geschichte von der Technisierung erzählt, dürfen natürlich die Begleitprodukte aus den verschiedenen Epochen nicht fehlen. Egal, welchen Museumsbereich man besucht, immer finden sich alte und neuere Maschinen, die Geschichte geschrieben haben. Alte Buchbindetechnik findet sich hier ebenso wie die moderne Offsetdruckmaschine. Die Geschichte des früheren und heutigen Getreidemahlens wird ebenso erzählt, wie Ereignisse und Techniken, die den Strom für jedermann erschwinglich machten.

Natürlich dürfen in diesem Reigen Nutz- und Kraftfahrzeuge nicht fehlen, die die Vorhut für den heutigen Massenverkehr bildeten. Im Technoseum findet sich eine kleine doch feine Sammlung unterschiedlicher Zweiräder etwa von Hercules, Zündapp oder Kreidler sowie einige Kraftfahrzeuge, die früher das Straßenbild prägten.

Die Erfindungen und Fahrzeuge von Felix Wankel, dem Erfinder des Wankelmotors stechen im Technoseum ganz besonders heraus. Und das zu Recht. Hat dieses Genie es doch geschafft, das Auf und Ab des Kolbens herkömmlicher Motoren zu ersetzen und den Verbrennungsvorgang von Benzin in einen Brennraum mit rotierendem Kolben zu packen. Wer je einen Wankelmotor laufen hörte, wird das turbinenartige Geräusch wohl immer noch im Ohr haben.

Im Technoseum ist eine ganze Reihe von Fahrzeugen zu bewundern, die von einem Kreiskolbenmotor angetrieben wurden. Wer bekommt keine glänzenden Augen, wenn er Namen, wie NSU RO80, Hercules W2000 oder Van Veen OCR 1000 hört? Den Vogel schießt jedoch ein höchst interessantes Gefährt ab, das im Wasser in seinem Element war. Die Rede ist vom Gleitflächenboot ›Zisch 74‹, das mit einem Vierscheiben-Kreiskolbenmotor ausgestattet war, der 250 PS leistete und das Boot auf 80 km/h beschleunigte. Allesamt Raritäten, die schon alleine den Besuch des Museums lohnen.

Felix Wankel war ein Mann der Praxis. Seine Motoren wurden von ihm nicht über komplizierte mathematische Formeln ersonnen, das machten später seine bei ihm beschäftigten Ingenieure. Vielmehr bastelte er sich beispielsweise Scheiben aus Pappe, in die er die Bewegungsmuster seiner Motoren einzeichnete, um diese zu optimieren. Felix Wankels Schaffen ist Beweis genug, dass niemand ein überragender Mathematiker sein muss, um dereinst einen Geniestreich in die Welt zu setzen.

Hier setzt das Technoseum an. Hochinteressante Experimente laden zur Entdeckungsreise ein. Wer Ursache und Wirkung erforschen will, ist in Mannheim bestens aufgehoben. Das Verhalten von magnetischen Flüssigkeiten kann hier ebenso ergründet werden, wie das Ausbilden von Kristallen, wenn Wasser gefriert. Die Geheimnisse des Stroms lassen sich erforschen und die Eigenschaften der Druckluft vor Augen führen.

Für kleine Forscher


Kindgerechte überdimensionale Pumpen laden zum Pumpen ein, um eine Rohrpost ans Ziel zu befördern und stramme Wadenmuskeln sind gefragt, wenn es darum geht, ein Stück Holz auf einer per Wippe angetriebenen Drechselbank zu bearbeiten. Junges Forscherherz schlägt höher, wenn das Modell eines Heißluftballons durch den Raum schwebt und optimale Räder für Eisenbahnen im Versuch gefunden werden müssen.

Es gibt noch weit mehr Experimente, die ihrer Entdeckung harren. Wer alle durchspielen möchte, muss vor allem ganz viel Zeit mitbringen. Schließlich dauert es schon eine Weile, ehe das selbstgeschöpfte Papier soweit getrocknet ist, damit es mit nach Hause genommen werden kann. Niemand muss Hemmungen haben, sich den Experimenten zu nähern, da zahlreiche Scouts jederzeit hilfreich zur Seite stehen und über die korrekte Handhabung des Experiments aufklären. Eine tolle Sache, die es in dieser Form in viel zu wenigen Museen gibt.

Angehende Nobelpreisträger werden sich gerade auch in der Bionik-Abteilung mehr als wohlfühlen. Die Natur führt seit Jahrmillionen Versuch-Irrtum-Experimente durch und hat auf diese Weise schon zahlreiche Ideen ersonnen, die ihrer Entdeckung für technische Produkte harren. Vereinzelt werden die Erkenntnisse der Natur bereits in alltäglichen Gegenständen verwendet, doch gibt es noch viele Felder, wo dies nicht der Fall ist. Dies ist ein klarer Auftrag an die junge Generation, sich hier zu betätigen und das Technoseum diesbezüglich intensiv zu nutzen.

Hier kann beispielsweise ein Laufroboter begutachtet werden, der einer Stabheuschrecke nachempfunden ist. Tiere sind überhaupt ein beliebtes Anschauungs-Objekt für Bioniker. So ist die Form von Pinguinen in ein völlig neues Design für Verkehrsflugzeuge eingeflossen. Auch in Sachen Leichtbauweise hat die Natur viel auf Lager wie beispielsweise der Knochen zeigt. Trotz seiner extremen Belastbarkeit ist er im Verhältnis zu bisherigen technischen Lösungen ein wahres Leichtgewicht.

Auch mit Seifenblasen lassen sich erstaunlich stabile und materialeffiziente Formen finden, wie zahlreiche Lösungen aus der Architektur zeigen. In Sachen Bionik gibt es noch viel zu zeigen, weshalb diese Abteilung derzeit umgebaut wird und sich im November 2013 in deutlich erweiterter Form dem Besucher präsentiert.

Exponate mit Aha-Effekt


Kleine und große Mathe-Freaks kommen im Technoseum natürlich auch auf ihre Kosten und können ergründen, wie früher gerechnet wurde. Hier gibt es den Abakus ebenso zu bestaunen, wie die Rechenmaschinen von Schickard und Hahn. Auch höchst erstaunliche Modelle, wie beispielsweise eine Dualrechenmaschine von Leibniz gibt es zu besichtigen.

Diese Maschine ließ Leibniz jedoch nie bauen, da diese Idee die technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit wohl überstieg. Erst 300 Jahre später, im Jahre 2004 wurde der Geniestreich in ein funktionierendes Modell umgesetzt. Auch die Rechenmaschine von Philipp Matthäus Hahn ist ein besonderer Hingucker, da die Abdeckbleche des Modells abmontiert sind und so das Räderwerk sichtbar wird, das die Berechnungen der vier Grundrechenarten umsetzt. Natürlich gibt es auch rund um das Thema ›Rechnen‹ jede Menge Experimente, die ihrer Durchführung harren.

Es ist daher kein Wunder, dass das Museum ein Magnet für Familien mit Kindern ist. Es ist eine Freude, die Kinder bei ihrem Tun zu beobachten und in ihren erstaunten oder erfreuten Gesichtern ablesen zu können, dass das Experiment bei Ihnen einen Aha-Effekt ausgelöst hat.

Wer vom vielen Experimentieren müde und hungrig geworden ist, kann in eine urgemütliche Arbeiterkneipe einkehren und bei einer erfrischenden Limonade seinen Blick über allerlei Exponate aus vergangener Zeit wandern lassen. Auf diese Weise bekommt man wieder frischen Wissens-Hunger, der dazu animiert, noch mehr Geheimnisse des Technoseums zu lüften. Zum Beispiel wartet in der Abteilung Atomtechnik eine Nebelkammer darauf, mit staunenden Augen begutachtet zu werden. Wer je gesehen hat, dass zu jeder Sekunde zahllose unsichtbare Partikel alle lebende und unbelebte Materie durchdringen, wird fortan verstehen, dass Strahlung etwas Natürliches ist und nur die Dosis das Gift macht.

Wer dann noch etwas Zeit hat, sollte nicht versäumen, auch das Museumsschiff ›Mannheim‹ zu besuchen, das am Neckarufer zwischen Innenstadt und Hafen liegt. Dort kann man den ereignisreichen Tag mit einem weiteren Highlight abrunden. Es sollte nicht wundern wenn ins Ohr der Eltern der Wunsch geflüstert wird, bald wieder ins Museum zu gehen, wo sich viele Räder drehen.

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Kontakt  Herstellerinfo 
Technoseum
Museumsstraße 1
68165 Mannheim
Tel.: 0621-4298-9
www.technoseum.de
Öffnungszeiten: 9:00 bis 17:00 Uhr
Eintrittspreise (Stand 2013):
Erwachsene: 6 Euro
Ermäßigt: 4 Euro
Kinder bis 6 Jahre Eintritt frei

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