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Das tolle Rundfunkmuseum Cham

Eintreten, wohlfühlen, genießen

Museen, die sich dem weiten Feld der Rundfunktechnik widmen, gibt es in Deutschland eine ansehnliche Anzahl. Die Exponate werden dort in der Regel auf imposante Weise präsentiert. Doch was in Cham auf die Füße gestellt wurde, ist atemberaubend und wird wohl jeden Technik-Fan in Verzückung versetzen.

Wenn ein Museum betreten wird, so findet der Besucher in der Regel eine höchst nüchterne Atmosphäre vor, die sich ganz der Präsentation der Exponate widmet. Dies ist vom Besucher durchaus so gewünscht, doch kommt hier normalerweise kein Wohlfühlgefühl auf. Dies ist im Rundfunkmuseum Cham ganz anders. Hier haben die Macher es fertiggebracht, hochinteressante Technik rund um die Welt des Rundfunks in einem Ambiente zu präsentieren, das dem Besucher das Gefühl vermittelt, sich in einer vertrauten, häuslichen Umgebung zu befinden.

Das hängt wohl auch damit zusammen, dass das Museum nicht für Laufkundschaft ausgelegt ist, daher die Einrichtung entsprechend anders gewählt werden konnte. So werden angemeldete Gruppen von bis zu 30 Personen im ›Cafe Nostalgie‹ empfangen, in dem sie auf bequemen Sitzmöbeln Platz nehmen können, um ganz entspannt den Ausführungen des Museumsführers zu lauschen. Staunend wird vernommen, dass so manches Exponat aus der Fertigung des großen Erfinders Thomas Alva Edison kommt.

Dieser hatte seinerzeit nicht nur die Glühlampe entwickelt, sonders auch den Phonographen erfunden, mit dem Musik nicht nur abgespielt, sondern auch aufgenommen werden konnte. Bemerkenswert ist, dass der größte Teil der ausgestellten Raritäten sich in spielbereitem Zustand befindet und jederzeit vorgeführt werden kann, was auf Wunsch geschieht.

So werden beispielsweise per Grammophon Schellackplatten abgespielt, auf denen sich Stücke vom großen Tenor Enrico Caruso befinden. Der Besucher erhält auf diese Weise die Möglichkeit, Musik aus den 1920er- und 1930er-Jahren auf die gleiche Art zu hören, wie sie den damals lebenden Menschen ins Ohr drang.

Zu verdanken ist dies dem Museumsgründer Michael Heller, der sich als Radio- und Fernsehtechniker in der Materie bestens auskennt und nach seinem Eintritt in das Rentenalter mit einem engagierten Team das bewundernswerte Museum geschaffen hat.

Auf rund 1 100 qm Fläche werden in 15 Räumen rund 3 000 vorführbereite Meilensteine der Radio- und Fernsehtechnik auf besondere Weise präsentiert. Darunter ist so manches Exemplar, das es anderswo nur schwer zu entdecken gibt. So wird in Cham beispielsweise eines der damals von Rohde & Schwarz in sehr geringer Stückzahl gebauten Radios des Typs ›ESF-BN15061‹ präsentiert, das von diesem Hersteller eigentlich nur deshalb gebaut wurde, um die Ende der 1940er-Jahre aufkommende UKW-Technik anzuschieben.

In diesem Kontext ist interessant zu wissen, dass die UKW-Technik vor allem deshalb entwickelt wurde, weil nach dem 2. Weltkrieg Deutschland im Vertrag von Kopenhagen alle bisherigen guten Mittel- und Langwellenfrequenzen weggenommen wurden.Nicht minder interessant ist der Blick in die Anfänge der Rundfunktechnik.

In einem eigenen Raum gibt es dazu in Cham Detektorempfänger zu sehen, die teilweise aus Bausätzen oder nur mithilfe damals käuflich zu erwerbender Schaltpläne selbst gebaut wurden. Dem Besucher fällt auf, dass damals Empfänger und Lautsprecher jeweils in einem separaten Gehäuse untergebracht waren und per Kabel miteinander verbunden werden mussten, was heute noch bei hochwertigen Stereoanlagen üblich ist.

Nur wenige Glaskäfige

Sehr erfreulich, dass diese Raritäten von den Museums-Machern zum größten Teil nicht hinter Glas versteckt werden, sondern diese vorführbereit sind. Zu diesem Zweck werden drei Mittelwellensender mit sehr geringer Leistung betrieben, die alle Radios im Museum mit passender Musik versorgen.

Für einen vierten Sender wurde sogar die Genehmigung eingeholt, diesen mit mehr Leistung zu betreiben. Dieser Sender strahlt derzeit täglich von 14 bis 22 Uhr ein Testprogramm ab, das etwa 20 Kilometer rund um Cham empfangen werden kann. Die dazu nötige Technik wurde seinerzeit vom Bayerischen Rundfunk gestiftet, wozu auch eine komplette Studioeinrichtung gehörte, die heute für die Sendung genutzt wird. Den Wunsch der Bürger nach Musik und Informationen haben sehr viele – heute zum größten Teil unbekannte und verschwundene – Unternehmen versucht zu erfüllen, und sich einen Platz auf dem Radiomarkt zu erobern.

So gab es beispielsweise in Cham das Unternehmen ›>Elektrophysikalischer-Apparatebau‹, das unter dem Namen ›Elpha‹ in der Zeit von 1948 bis 1952 unter anderem ein Radio mit der Typenbezeichnung ›GW318‹ produzierte.

Leider konnten sehr viele, auch namhafte Unternehmen gegen die zunehmende Konkurrenz aus Fernost nicht bestehen und musste schließen. In Cham sind die Highlights dieser Unternehmen jedoch noch immer putzmunter und warten darauf, erneut entdeckt zu werden. Ob Grundig, Saba, Telefunken, Nordmende, Schaub oder Körting – zahlreiche Modelle dieser ehemals großen Produzenten lassen Kenneraugen leuchten und laden zum längeren Verweilen ein.

Leuchtende Augen wird es nicht zuletzt bei den Grundig-Produkten geben, die es im Museum in großer Zahl zu sehen gibt. Ob Radiobausatz ›Heinzelmann‹, Kurzwellen-Empfänger der Satellit-Baureihe oder Videorekorder mit VHS- oder Video 2000-System – es gibt sehr viel, was es an sehenswerter Technik von Grundig zu entdecken gibt. Dem Museumsbesucher wird sicher auch der Nachbau einer Nipkow-Anlage ins Auge fallen, der in der Fernsehabteilung anschaulich das von Paul Nipkow entdeckte Prinzip der mechanischen Bildzerlegung zeigt. Nach ausführlicher Begutachtung dieses Exponats wird die prinzipielle Funktion des Fernsehens verständlich.

Kofferradios entdecken

Wer die beeindruckende Zahl an Kofferradios besichtigt, sollte sich nicht scheuen, auch die tiefer im Regal liegenden Exemplare näher anzusehen. Dort gibt es beispielsweise das Kofferradio ›Florida‹ von Kuba Imperial zu bestaunen, das Ausmaße eines kleinen Reisekoffers hat und bei geschlossenem Deckel auch so aussah. Etwas ganz Besonderes ist das Drahttonband ›Konsolette‹ von Schaub aus dem Jahre 1950. So etwas kennen heutzutage wohl nur mehr Eingeweihte.

Obwohl die ersten Tonbandgeräte bereits im Jahre 1934 von AEG entwickelt wurden, haben es mit Draht arbeitende Geräte geschafft, noch eine ganze Weile dieser neueren Technik Paroli zu bieten, denn bereits 1898 erfand der dänische Physiker Valdemar Poulsen ein Gerät zum Speichern von Tönen auf der Basis von Stahldraht. Dieser Draht wird an einem Elektromagneten vorbeibewegt, der mit einem Mikrophon verbunden ist.

Dieses wandelt eintreffende Schallwellen in eine Wechselspannung um, woraufhin im Draht durch magnetische Induktion eine bleibende Magnetisierung erzeugt wird. Wird der so konditionierte Draht erneut am Magneten vorbeigezogen, so wird in diesem eine elektrische Spannung induziert, die von Lautsprechern in hörbaren Schall umgewandelt werden. Der Besucher kann sich mit ­eigenen Ohren an der Konsolette davon überzeugen, dass der Klang sehr angenehm klingt.

Exotische Technik

Auch das ›Tefifon‹ von 1957 werden wohl nur wenige Besucher kennen. Dies ist eine Art Tonbandgerät, das mit ­einem endlosen, in einer Kassette steckenden Kunststoffband funktioniert, das an einem feststehenden Tonabnehmersystem vorbeiläuft. Im Grunde handelt es sich hier um eine Kombination aus Schallplatte und Tonband. Das Tefifon wurde in verschiedene Radiogeräte eingebaut und war Anfangs auch recht erfolgreich, musste sich jedoch der aufkommenden Konkurrenz in Form der Langspielplatte geschlagen geben, die einfacher zu handhaben war fast gleich langen Musikgenuss bot.

Aber auch die reinen Tonbandgeräte fanden ihre Käufer, wie zahlreiche Exponate im Museum zeigen. Besonders Grundig war hier sehr erfolgreich. Die Ehre, das erste Tonbandgerät gebaut zu haben, gebührt jedoch dem Unternehmen AEG, das 1935 das Modell ›K1‹ auf den Markt brachte. Davon wurden nur sieben Stück gebaut, Auch vom Nachfolgemodell ›K2‹ wurden maximal 15 Stück gebaut, eines davon steht in Cham und begeistert dort die Besucher ob der damals schon raffinierten Technik.

Besonders robust waren diejenigen Tonbandgeräte gebaut, die von der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg genutzt wurden. Davon kann man sich in einer eigenen Abteilung überzeugen, in denen ausschließlich Produkte des 3. Reichs gezeigt werden. Hier gibt es nicht nur den legendären Volksempfänger zu sehen – den es übrigens in verschiedenen Baumustern gab, die jedoch in identischer Ausführung von verschiedenen deutschen Unternehmen produziert wurden – sondern auch etwa den „Deutscher Arbeitsfront Empfänger“ DAF 1011 nebst zugehörigem Lautsprecher oder das Dienstgerät Gemeinderundfunk e.V.

Schulklassen sind hier demnach bestens aufgehoben, Zeitgeschichte hautnah zu erleben. Zudem bekommen diese im museumeigenen Versuchslabor Grundlagenphysik auf unterhaltsame Weise anschaulich erklärt. Man kann den Machern des Rundfunkmuseums Cham nur stehende Ovationen entgegenbringen für ein absolut gelungenes Museum, das auch weite Anfahrten lohnt.

Wer Gefallen daran gefunden hat, sollte sich überlegen, ein förderndes Mitglied zu werden, denn das Museum hat es verdient, auf Dauer in der Museumslandschaft zu bestehen.

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Diesen Artikel finden Sie auch in Ausgabe 3/2021 auf Seite 32. Zum besagten Heft führt ein Klick auf den nachfolgenden Button!

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Kontakt  Herstellerinfo 
Das Rundfunkmuseum e.V.
Sudetenstraße 2a
93413 Cham
Tel.: +49 (0) 9971-310 7015
Fax: +49 (0) 9971-310 7029
E-Mail: info@rundfunkmuseum-cham.de
www.chamer-rundfunkmuseum.de

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