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Die Wahrheit zum Kugelhaufenreaktor

Ein Konstrukteur spricht Klartext

Der Kugelhaufenreaktor war ein inhärent sichereres Kraftwerk, das Strom mittels Kernkraft CO2-frei produzieren konnte. Politische Kräfte haben diese wichtige Technik diskreditiert und so auf das Abstellgleis geschoben. Dr.-Ing. Urban Cleve hat damals maßgeblich an diesem Reaktordesign mitgewirkt. Im Interview beleuchtet er die Vorgänge der damaligen Zeit, die eine wichtige Zukunftstechnik zu Fall brachten.

Sehr geehrter Herr Dr. Cleve, laut einer Studie, die ein gewisser Dr. Rainer Moormann im Jahre 2008 erstellt haben soll, ist der in Jülich stehende Forschungsreaktor ›AVR‹ im Jahre 1978 nur knapp einer Atomkatastrophe entronnen. Sie waren damals ein verantwortlicher Konstrukteur des AVR und bestens mit dessen Betrieb vertraut. Was sagen Sie zu dieser Behauptung?

Dr. Urban Cleve:
Der Bau des AVR erfolgte auf Grund einer Bestellung der AVR als Betreiber bei BBC/Krupp. Der AVR stand nicht auf dem Gelände der KFA Jülich, er war aus Sicherheitsgründen eingezäunt. Zugang war nur nach Kontrolle möglich. Die KFA hatte mit der Abwicklung des Auftrags nichts zu tun. Nur Mitarbeiter der AVR und BBC/Krupp hatten ständigen Zugang. Hinzu kamen die Lieferfirmen und das Personal der Genehmigungsbehörden oder Gäste. Daher hatte Herr Dr. Moormann keinerlei Kontakt zum AVR. Der AVR ist bis heute das einzige KKW in der Welt, mit dem zweimal ein ›Loss of Coolend Accident‹, gewöhnlich als GAU bezeichnet, durchgeführt worden ist.

Sämtliche Komponenten waren Erstkonstruktionen wegen der unerprobten Heliumatmosphäre. Daher erfolgte eine intensive Zusammenarbeit mit dem TÜV über alle Konstruktionsdetails. Ich habe über drei Jahre sämtliche Besprechungen mit dem TÜV geleitet, das waren oft einige Tage, insgesamt sicher mehrere Hundert An keiner dieser Besprechungen hat Herr Dr. Moorman oder ein Mitarbeiter der KFA teilgenommen. Der Reaktor kühlte sich nach Abschaltung durch Schnellschuss zum „Gau-Test“ stets in einigen Tagen vollständig ab und wurde danach problemlos wieder in Betrieb genommen. Diese Versuche wurden von Dr. Moorman nie erwähnt, obwohl er dies genau wusste.

Wenn Sie sagen, dass Dr. Moormann nicht jahrelang am AVR mitgearbeitet hat, so liegt diesbezüglich ein Fakt vor, der die Frage aufwirft, dass Dr. Moormann wissentlich die Unwahrheit zum AVR niedergeschrieben hat. Wie denken Sie darüber?

Dr. Cleve:
Wie ich schon sagte, war Dr. Moormann keine Person, die mit dem AVR betraut war. Über die Beweggründe, ein unzutreffendes Papier zu veröffentlichen, in dem falsche Fakten stehen, ist mir nichts bekannt. Daher möchte ich mich diesbezüglich nicht näher äußern. Anmerken möchte ich jedoch, dass damals Herr Küpper als Leiter der „Expertenkommission“ an einer vom BMFT angesetzten Besprechung über Sicherheitsfragen am HTR-Kernkraftwerk unentschuldigt gefehlt hat. Die so entstandene „wissenschaftliche“ Stellungnahme hat eine ganze Reihe von Fehlbeurteilungen enthalten, die politisch ausgeschlachtet wurden.

Dann sehen wir uns die Vorwürfe einmal an: In der Studie des Dr. Moormann ist beispielsweise davon die Rede, dass 1978 rund 30 000 Liter Wasser unkontrolliert in den Reaktorkern geflossen seien. Kann das sein?

Dr. Cleve:
Der AVR hatte eine Dampfleistung von 55,5 Tonnen pro Stunde. Er wurde – um den Speisewassergehalt des ganzen Systems so gering wie möglich zu halten – als Zwangsdurchlaufkessel gebaut, also ohne Zwischenstation eines großen Speisewasserbehälter und großer Dampftrommel. Dabei wird das Speisewasser ständig mehrfach je Stunde im Kreislauf erwärmt und Dampf erzeugt, dann in der Turbogruppe entspannt sowie kondensiert und sofort wieder in den Kessel eingespeist. Die Gesamtspeisewassermenge des Systems dürfte bei etwa 20 m3 gelegen haben. Wenn 30 m3 Speisewasser in den Primärgaskreislauf gelangt wären, wäre der ganze Betrieb nach etwa 20 Minuten wegen Speisewassermangels zusammengebrochen.

Zudem sollte man wissen, dass Wasser bei 100 Grad Celsius verdampft. Das Primär-Heliumgas hatte eine Temperatur von 220 bis 850 Grad Celsius, da verdampft alles Wasser sofort. Es hätte dann als Wasser in der Helium-Gasreinigungsanlage abgeschieden werden können. Beide Gebläse waren im unteren Teil eingebaut, sie hätten also statt Heliumgas Wasser fördern müssen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Totalschaden bewirkt hätte. Weiter ist es undenkbar, dass durch ein Leck von nur drei Millimeter Durchmesser rund 30 Tonnen Dampf in das Primärsystem strömen können, ohne dies zu bemerken, denn bei dieser Menge Speisewasserverlust hätte nichts mehr verdampfen können, der Dampferzeuger wäre also ohne Kühlung durch Wasser betrieben worden.

Der Primärgaskreislauf war mit mehreren Feuchtefühlern ausgerüstet, die auch ansprachen, zur Sicherheit wurde diese Feuchte in der Warte angezeigt, konnte beziehungsweise musste also jederzeit vom Bedienungspersonal beobachtet werden. Der AVR war für eine Primärgasaktivität von 10 000 000 Curie ausgelegt. Eingesetzt wurden jedoch die neu entwickelten, gecoateten Triso-Brennelemente, wodurch lediglich eine Primärgasaktivität von lediglich 360 Curie gemessen wurde. Somit hätte selbst eine Totalentlastung des aktiven Heliumgases in die Umgebung nicht zu einer unzulässig hohen Verunreinigung der Umwelt geführt.

Haben die Sicherheitssysteme diesen Störfall korrekt gemeldet und wie wurde darauf reagiert?

Dr. Cleve:
Bei fehlender Beachtung einer Störung erfolgte zunächst ein kurzer Warnton, danach ein starker Alarm-Dauerton. All dies wurde vor Übergabe des AVR zusammen mit dem TÜV erprobt. Das Wasser – übrigens kein Speisewasser – wurde erst bei der Lecksuche des undichten Stranges in den kalten Reaktor eingedrückt. Der Dampferzeuger war mit vier Strängen versehen, um bei einem Leck in einer Schweißnaht diesen abdichten und mit den drei restlichen Strängen weiterbetreiben zu können.

Die Anzahl der Schweißnähte in diesem Dampferzeuger wurde nicht gezählt, es dürften über 10 000 gewesen sein. Die Möglichkeit einer Undichtigkeit im Dampferzeuger war daher schon bei der Konstruktion berücksichtigt. Einen Dampferzeuger mit tausenden von Schweißnähten zu bauen ohne in Betracht zu ziehen, dass eine davon undicht wird, ist eine Illusion. Alle entstehenden Sicherheitsfragen über die Folgen eines Lecks waren mit dem TÜV, den Muklearphysikern von BBC/Krupp, Prof. Dr. Schulten und weiteren Forschungsinstituten besprochen, und es bestand Übereinstimmung, dass durch eine Undichtigkeit am Dampferzeuger kein Risiko für den Reaktor bestand.

Zur Lecksuche wurden alle vier Stränge des Dampferzeugers auf Dichtheit geprüft und ein kleines Leck, eine undichte Schweißnaht im Überhitzerteil, gefunden. Wie vorgesehen wurde dieser Strang abgedichtet und der Reaktor mit gleicher Leistung störungsfrei bis zur Stilllegung weiter betrieben – mit Zustimmung aller Genehmigungsbehörden. Es ist also nie Wasser, sondern Heißdampf in den Reaktor eingetreten, der den Feuchtegehalt des Primärgases erhöhte, was durch die eingebauten Messeinrichtungen auch frühzeitig erkannt wurde. Die nachträgliche Überprüfung dieser Störung ergab, dass sich an kalten Stellen des Reaktors Kondenswasser bildete – besonders in der Gasreinigungsanlage wurde Kondenswasser abgezogen. Diese Anlage war für einen solchen Fall vorgesehen, hatte also eine Sicherheitsfunktion. In dieser Betriebszeit bildete sich 13 572 kg Kondenswasser. Hierdurch bedingt blieb die Feuchte im Heliumgas relativ gering.

Dies alles wurde von der Expertenkommission und Dr. Moormann „übersehen“. Auch in der Betriebsanweisung für den AVR war der Ablauf dieser möglichen Störung exakt so beschrieben. Die Betriebszeit zwischen der ersten Erkennung von erhöhter Feuchte im Kühlgas bis zur Abschaltung betrug etwa 93 Tage oder 2 232 Betriebsstunden. Daraus ergibt sich, dass aus dem Leck in dieser Zeit etwa 13,7 kg Heißdampf pro Stunde in den Reaktor eingedrungen sind. Wie durch diese in Betracht gezogene Störung, die effektiv technisch nicht vermeidbar ist, ein Reaktorunfall mit ­einem plötzlichen Wasser­einbruch von 30 m3 konstruiert wurde, sollte Herr Dr. Moormann erläutern. Vermutlich hatte er erfahren, dass der Behälter, den das FZ-Jülich der AVR zum Abfüllen des Restkondensates zur Verfügung gestellt hatte, ein Fassungsvermögen von 30 m3 hatte. Wenn er den ihm zugänglichen Betriebsbericht zum AVR gelesen hätte, hätte er diesen „Reaktorunfall“ nicht „erfinden“ können.

Kugelhaufenreaktoren gelten unter Experten als inhärent sicher. Was ist darunter zu verstehen?

Dr. Cleve:
Die inhärente Sicherheit bedeutet in der Praxis, dass der Reaktorkern., also das Core, sich bei Ausfall der Kühlung wegen des negativen Temperatur-Koeffizienten von selbst löscht, also kalt wird. Bei ­einem positiven Temperaturkoeffizienten heizt sich das Core hingegen mit wachsender Geschwindigkeit bis zur Schmelztemperatur des Materials auf. Mit einem Kugelhaufenreaktor ist es daher völlig unmöglich, eine Kernschmelze herbeizuführen. Noch nicht einmal eine Wasserstoffexplosion, wie im Fall des Fukushima-Reaktors, ist damit möglich, da das Kühlmedium nicht Wasser, sondern das Edelgas Helium ist. Noch nicht einmal bei Ausfall der Helium-Kühlung kommt es zu einer Kernschmelze.

Wurde diese hohe Sicherheit schon einmal in der Realität nachgewiesen?

Dr. Cleve:
Der AVR ist das einzige Kernkraftwerk der Welt, mit dem ein „GAU“ zweimal erfolgreich erprobt worden ist! Der erste Versuch wurde im Jahre 1967 auf Verlangen des TÜV zum Nachweis der inhärenten Sicherheit sowie der Funktionstüchtigkeit aller neu entwickelten Komponenten vor Erteilung der Betriebsgenehmigung durchgeführt. Dieses Experiment wurde leider nie der Öffentlichkeit bekanntgemacht, was mich sehr verwundert, denn dieses wurde ja interessant, nachdem ein ähnliches Experiment in Tschernobyl zur Reaktorkatastrophe führte.

Beim zweiten Versuch im Jahre 1986 wurden alle Messdaten zur Erstellung von Berechnungsprogrammen ermittelt. Dieser Versuch wurde in VDI-ISBN 3-18-401015-5 beschrieben. Es ist bezeichnend, dass diese Fakten im erwähnten „Expertenbericht“ keine Erwähnung fanden, obwohl der Verlauf der Nachwärmeproduktion während des GAU-Versuches zeigte, dass selbst bei Ausfall aller Sicherheitseinrichtungen – vor allem der Reaktorkühlung – ein gefährlicher Betriebszustand nicht eintreten kann. Es ist mir ein Rätsel, dass dieser entscheidende Fakt im „Expertenbericht“ beziehungsweise den Forschungsberichten des FZ-Jülich überhaupt nicht erwähnt wird und sogar das Gegenteil von Dr. Moormann behauptet wird.

Demnach ist dieser Kraftwerkstyp ideal, um in Verbrauchernähe gefahrlos preiswerten Strom rund um die Uhr zu produzieren?

Dr. Cleve:
So ist es! Es war das Ziel von Prof. Dr. Schulten, einen katastrophenfreien Reaktor zu bauen, der auch in Industriebetrieben und Städten sicher betrieben werden konnte. Leider wird der mit vielen Milliarden Steuergeldern finanzierte Kugelhaufenreaktor vom Typ TVHTGR nun nur mehr in China, Russland und den USA weiterentwickelt. Dies ist ein großer Fehler unserer Politiker, die in zunehmender Zahl „wissenschaftliche Fakes“ zur Grundlage ihrer Beschlüsse im Deutschen Bundestag machen.

Die zunehmende Elektromobilität sowie das Konzept, künftig in vielen Haushalten Wärmepumpen zu installieren, wird zu einem stark steigenden Strombedarf führen. Ist es angesichts dieser Entwicklung überhaupt realistisch, diesen Bedarf unter Aufgabe der Kern- und Kohlekraftwerke zu decken?

Dr. Cleve:
Mit einem TVHTGR ist es möglich, CO2-frei Strom zu erzeugen sowie Braun- und Steinkohle zu vergasen. Ferner können Trinkwasser, Wasserstoff und synthetische Brennstoffe mit Kugelhaufenreaktoren zu wettbewerbsfähigen Preisen erzeugt werden. Will man Häuser mit Strom heizen sowie Transportmittel CO2-frei betreiben, geht kein Weg an Kernkraftwerken vom Typ ›Kugelhaufenreaktor‹ vorbei, alle anderen Alternativen bedingen eine Mangelwirtschaft sowie einen massiven Wohlstandsverlust.

Der Verbrennungsmotor könnte weiterbestehen, wenn synthetische, klimaneutrale Treibstoffe in großer Menge produziert würden. Ist der Kugelhaufenreaktor dazu fähig, diese Kraftstoffe in großer Menge preiswert zu produzieren?

Dr. Cleve:
Der Primärenergieverbrauch von Elektroautos ist etwa um das 10 bis 15fache höher als bei Betrieb mit Benzin- beziehungsweise Dieselkraftstoff. Es macht daher viel mehr Sinn, synthetische Kraftstoffe mit Strom aus Kernkraftwerken zu erzeugen, zumal dies ohne CO2-Emmission einhergeht. Diese Kraftstoffe könnten auch für die Gebäudeheizung verwendet werden.

In seinem Buch ›Die Lüge der Klimakatastrophe‹ hat der damals in den USA lebende Autor und Geschäftsmann Hartmut Bachmann niedergeschrieben, dass er Ohrenzeuge wurde, wie Nelson Rockefeller forderte, den Kugelhaufenreaktor zu verhindern, da dieser sein Ölgeschäft bedroht. Was halten Sie vom Verdacht, dass Dr. Moormanns Studie ein Teil dieses Plans war?

Dr. Cleve:
Das hat Herr Bachmann richtig gesehen. Den Verdacht vermag ich nicht zu begründen.

Interessant ist, dass die ­Ukraine in Tschernobyl ursprünglich einen Kugelhaufenreaktor errichten wollte, was in der Öffentlichkeit nahezu nicht bekannt ist. Die damalige Regierung von Nordrhein-Westfalen hat dies jedoch verhindert, weshalb dort ein Reaktor russischer Bauart erstellt wurde. Wäre uns die Freisetzung großer Mengen spaltbaren Materials aufgrund menschlichen Versagens erspart geblieben, wenn es anders gekommen wäre?

Dr. Cleve:
Wenn in Tschernobyl ein Kugelhaufenreaktor gestanden hätte, wäre diese Stadt heute noch bewohnt und eine Verstrahlung weiter Teile Europas hätte es nicht gegeben. Die damalige Bedienmannschaft des Reaktors russischer Bauart wollte wohl einen ähnlichen Versuch machen, wie er damals mit dem AVR durchgeführt wurde. Aufgrund der völlig anderen Bauart musste dieser jedoch in eine Katastrophe führen. Übrigens wurde die Entscheidung der damaligen Regierung von Nordrhein-Westfalen, die weitere Entwicklung der Hochtemperaturtechnik abzubrechen, gegen den damaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement getroffen. Dieser hatte mir damals selbst gesagt, dass dies nicht seine Entscheidung war.

Welche positiven Eigenschaften hat der Kugelhaufenreaktor insgesamt?

Dr. Cleve:
Eine ganze Menge! Die wichtigste Eigenschaft jedoch ist, dass dieser Reaktortyp – nachgewiesen und vom TÜV betätigt – keine Kernschmelze kennt, demnach absolut sicher zu betreiben ist. Alle Kritiken erfolgten aus rein politischen Motiven und waren allesamt sowie nachgewiesen „Fakes“! Ein HTR-Kernkraftwerk ist in der Lage, Kohle zu verflüssigen, zudem könnten mit diesem Reaktortyp sehr preiswert Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe erzeugt werden. Auf diese Weise müsste nicht einseitig auf Elektroautos gesetzt werden, wodurch Marktkräfte wirken könnten, mehrere Technologien zum Nutzen der Menschheit weiterzuentwickeln, schließlich hat sich schon oft gezeigt, dass das Ausklammern von Marktkräften und Wettbewerb zu Rückschritt, Verfall und Armut führt.

Kernkraftgegner argumentieren, dass Kernbrennstoff nur mehr für kurze Zeit verfügbar ist, daher alleine schon aus diesem Grund auf Solar- und Windenergie gesetzt werden muss, um die Energieversorgung zu sichern. Was antworten Sie auf dieses Argument?

Dr. Cleve:
Einer der entscheidenden Vorteile eines Kugelhaufenreaktors vom Typ ›THTR‹ ist es, dass er spaltbares Uran aus dem in riesigen Mengen in der Erdkruste vorhandenem Thorium erbrüten kann. Auf diese Weise wird der Brennstoffvorrat für Kernkraftwerke gewaltig gestreckt, was die Energiesorgen aller Länder auf Dauer eliminieren würde. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn wir sprechen hier von einem Zeitraum von vielen Millionen Jahren. Dieser Zeitraum ist wahrlich lange genug, um neue, noch bessere Energiequellen zu erschließen. Diese Technik ist demnach der Schlüssel in den Einstieg zum Wohlstand für alle Menschen auf diesem Planeten!

Wie steht es um die Kernfusion? Ist diese eine realistische Option des mittelfristigen Einstiegs in eine sorgenlose Zukunft mit Energie im Überfluss, oder gibt es technische Hürden, deren Überwindung in zu weiter Ferne liegt oder gar unmöglich ist?

Dr. Cleve:
Ich bin kein Nuklearphysiker, aber aus Sicht des Konstrukteurs ist der großtechnische Bau von Fusionskraftwerken in überschaubarer Zeit nicht möglich. Aber ein THTR erübrigt aus den vorgenannten Gründen vielleicht den Fusionsreaktor. Man kann ihn mit Sicherheit als „Zwischen“-Reaktor-Konzept ansehen, da er Thorium nutzen und so frischen Brennstoff erbrüten kann.

Wie gestaltet sich eigentlich die Handhabung verbrauchter Kugeln? Fallen bei deren Aufarbeitung Abfälle an, die ein Endlager für Jahrtausende benötigen oder ist diese Technik sogar vielmehr in der Lage, Kernbrennstoff herkömmlicher Reaktoren zu verwerten, was sich auch in der Lagerzeit von nur wenigen hundert Jahren für den dann anfallenden restlichen Abfall niederschlagen würde?

Dr. Cleve:
Die Wiederaufbereitung der Kugelelemente ist in meiner Veröffentlichung ›atw 2 2018‹ erstmals beschrieben. Ich halte dieses, von der EU erdachte Verfahren für machbar. Das würde zur Folge haben, dass die Brennelementfertigung sowie die Wiederaufarbeitung der Kugeln in der gleichen Anlage zusammengefasst werden könnten. Damit wäre auch der NPT-Vertrag sicher einzuhalten. Das Problem der Rest-Grafitmenge die abzulagern wäre, betrachte ich als gering und leicht konstruktiv ohne große Schwierigkeiten bei der Sicherheit lösbar – dies ist also kein unlösbares Problem.

Billige Energie und sauberes Wasser sind wichtige Schlüssel für Afrika, den Wohlstand der dort lebenden Menschen zu steigern, was langfristig zu einer geringeren Geburtenrate führen und zudem die gefährliche Suche nach einem besseren Leben in anderen Erdteilen beenden würde. Wäre der Kugelhaufenreaktor dazu geeignet?

Dr. Cleve:
Dies ist eine Anregung der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA und als früheres Board of Directors-Mitglied eines großen Konzerns in Südafrika für mich eine Herzensangelegenheit beziehungsweise ein Wunschtraum. Grundlage jeglicher wirtschaftlichen Entwicklung ist der Bau von Versorgungsanlagen für elektrische Energie und Wasser. Nur hierdurch wird die Schaffung von Arbeitsplätzen ermöglicht und nur so lassen sich Hunger und Armut in den Entwicklungsländern und damit auch das Migrationsproblem beheben.

Die IAEA sieht hierzu die deutsche Entwicklung der Hochtemperaturreaktortechnik mit den für den THTR-300 neu entwickelten, berstsicheren Spannbetondruckbehälter und den Kugel-Brennelementen mit gecoateten Brennstoffpartikeln als ideale Lösung an. Mit dieser Technik ist auch der NPT-Vertrag sicher einzuhalten. Dies ist sicher keine neue Erkenntnis, denn sie war schon in den 1960iger Jahren Entwicklungs-Ziel der damaligen Bundesregierung mit dem Bundespräsidenten Prof. Dr. Theodor Heuß, dem Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer und dem Wirtschaftsminister Prof. Dr. Ludwig Erhard.

Von findigen Köpfen wurden bereits weitere Kraftwerkstypen entwickelt, die um die Gunst der weltweiten Regierungen ringen. Darunter ist auch der Dual-Fluid-Reaktor (DFR), der mit flüssigem Kern sowie einer Bleikühlung funktionieren soll. Was halten Sie von diesen Ideen?

Dr. Cleve:
Ich habe mich persönlich mit dieser Technik zu wenig befasst, um eine definierte Beurteilung abgeben zu können. Ich weiß nur, dass diese Technik in zahlreichen Varianten seit mehr als 60 Jahren im Gespräch ist. Großtechnisch wurde noch keine Anlage gebaut.

Sie haben nach eigenen Aussagen in tausenden von Stunden ein Konzept für ­einen weiterentwickelten Kugelhaufenreaktor erarbeitet. Was zeichnet diesen fortschrittlichen Typ aus und wie lange würde dessen Bau benötigen?

Dr. Cleve:
Für die Erstplanung von baureifen Unterlagen benötigen wir etwa ein bis zwei Jahre, wenn nach Erteilung der Genehmigung gebaut werden kann, benötigen wir weitere vier bis fünf Jahre bis zur Inbetriebnahme. Ich halte die Erstellung von baureifen Unterlagen, die vollständig zusammen mit den Genehmigungsbehörden erstellt werden sollen, als Grundvoraussetzung für einen späteren Bau. Mein Konzept eines katastrophenfreien VHTR-Kernkraftwerks mit einer Leistung von 600 Megawatt elektrischer Leistung beziehungsweise 1 500 Megawatt thermischer Leistung und einer zu erzeugenden Trinkwassermenge von rund 15.000 cbm pro Stunde habe ich bereits fertiggestellt, es ist allerdings noch nicht veröffentlicht. Dieser Kraftwerkstyp wäre nicht zuletzt für Afrika ideal, da damit nicht nur Strom und Wärme, sondern auch Trinkwasser in großen Mengen produziert werden kann. Jetzt ist die Politik am Zug, einer Technik den Vorzug zu geben, die Wohlstand schafft, dadurch Völkerwanderungen verhindert.

Herr Dr. Cleve, vielen Dank für das Interview.

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Diesen Artikel finden Sie auch in Ausgabe 5/2021 auf Seite 16. Zum besagten Heft führt ein Klick auf den nachfolgenden Button!

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