Welt der Fertigung
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Arbeitsunfälle wiegen schwerer

Corona-Problematik überschätzt

Wohin man auch schaut, die Coronakrise bleibt allgegenwärtig. Auch wenn die Fallzahlen ins Bodenlose sinken, treibt sie Wirtschaft und Gesellschaft vor sich her. So gab es über Wochen nur eine zentrale Frage: Wie es gelingt, Arbeitnehmer bestmöglich vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Heute gehören etwa Maskenpflichten, Abstandsregeln, der Einbau von Trennvorrichtungen oder zeitversetzte Pausen in Unternehmen aller Branchen zum neuen Alltag. Ein Teil davon dürfte uns auf Dauer erhalten bleiben.

Der Höhepunkt der Pandemie ist fürs Erste überwunden. Ein guter Zeitpunkt, um Sicherheitskonzepte vollständig zu überprüfen – und gleichzeitig alle den Arbeitsplatz betreffenden Problematiken ins Visier zu nehmen. Denn nachdem Corona mit all seiner Macht in den Vordergrund gerückt ist, droht ein unerwünschter Nebeneffekt: Andere Risiken an Leib und Leben geraten schnell in den Hintergrund. Da wird gern vergessen, dass sich gerade im Umfeld von Industrie, Fertigung oder Recycling in Deutschland täglich eine hohe Zahl an Arbeitsunfällen ereignet – mit mitunter gravierenden Folgen.

Wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) kürzlich bekanntgab, stieg die Zahl der tödlich verletzten Mitarbeiter in Deutschland im vergangenen Jahr um über 20 Prozent auf nunmehr 507. Auch die Gesamtzahl der Unfälle ist mit rund 873.000 pro Jahr weiterhin auf einem erschreckend hohen Niveau angesiedelt. Die Problematik wiegt damit in den weitaus meisten Industrieunternehmen derzeit deutlich schwerer als die Corona-Problematik. Und doch werden diese Zahlen in einer breiten Öffentlichkeit kaum besprochen.

Seit 1992 deutlicher Rückgang von Unfällen

Sicherlich gibt es über einen längeren Zeitraum betrachtet positive Meldungen: So ist ein deutlicher Rückgang von Arbeitsunfällen gegenüber früheren Zeiten zu verzeichnen. Denn noch im Jahr 1992 ereigneten sich knapp 1,9 Millionen Arbeitsunfälle. Dass diese Zahl um mehr als die Hälfte gesenkt werden konnte, ist den erheblichen Investitionen seitens öffentlicher Hand und Wirtschaft zu verdanken. Ähnlich gestaltet sich die Entwicklung in Österreich: Auch dort ist die Gesamtzahl der Arbeitsunfälle seit den 1990er Jahren klar rückläufig. Ebenso ereignen sich immer weniger schwere Unfälle.

Und doch wurden von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) im Jahr 2019 insgesamt noch 161.236 Schadensfälle registriert. Von diesen entfielen rund 15.000 auf den Weg zur oder von der Arbeitsstelle. Allerdings: Rund jedes dritte Schadenereignis im Jahr 2019 steht in Zusammenhang mit Maschinen. Die häufigsten Unfallursachen: „Kontrollverlust“ über Maschinen, Transportmittel und Werkzeuge (33.643 Arbeitsunfälle). Naturgemäß sind schwere Verletzungen gerade in diesem Zusammenhang vorprogrammiert.

Folgen von Arbeitsunfällen

Nun ist jeder Arbeitsunfall, der Verletzungen zur Folge hat, per se mit einer menschlichen Tragik verbunden. Für das Unternehmen ist es damit aber nicht getan: Darüber hinaus drohen juristische und weitere schwerwiegende Konsequenzen.

  • Berufsgenossenschaften (BGs) und Polizei prüfen Unfälle und deren Hintergründe äußerst genau.
  • Im Falle von Fahrlässigkeit werden die Verantwortlichen in die Pflicht genommen. Eine strafrechtliche Verfolgung ist zwingend. Dies gilt insbesondere, wenn Empfehlungen von BGs nicht befolgt wurden.
  • Unfälle machen Schlagzeilen etwa in der Presse und in sozialen Netzwerken.
  • Das Unternehmen verliert an Attraktivität in Bezug auf die Gewinnung neuer Mitarbeiter.

Untersuchung von Arbeitsunfällen

Es liegt auf der Hand, dass die Untersuchung von Arbeitsunfällen ein komplexes Unterfangen ist. So verwundert es kaum, dass in aller Regel eine Reihe von Personengruppen ist: Dazu gehören neben dem Unfallopfer, anwesenden Zeugen und dem Arbeitgeber auch die verantwortlichen Führungskräfte, Sicherheitsfachleute mitsamt dem Sicherheitsbeauftragten der Firma, der Betriebsrat. Extern werden Experten seitens Berufsgenossenschaften sowie Versicherungen hinzugezogen. Häufig dauert es Monate oder sogar Jahre, bis schwere Ereignisse in aller Vollständigkeit aufgearbeitet sind – inklusive der Abwicklung von Zahlungen, die beispielsweise im Zuge von Schmerzensgeldforderungen zu leisten sind.

Risiken auf Minimum senken

Klar ist, es muss die oberste Prämisse sein, das Risiko schwer oder tödlich verletzter Beschäftigter auf ein absolutes Minimum zu senken. Wenn Schutzkonzepte im Zuge der Coronakrise neu bewertet und überarbeitet werden, sollten Unternehmen einen holistischen Ansatz verfolgen und eine Reduktion sämtlicher Risiken in den Fokus rücken.

Eine bedeutende Rolle im Hinblick auf Arbeitsunfälle spielen die folgenden Bereiche:

  • Hinweise und Kommunikation: Um Risiken zu senken gilt es, intensiv zu kommunizieren und auf Gefahren aufmerksam zu machen – etwa mithilfe gut sichtbarer Hinweise, Plakate oder anderer Kommunikationsmittel. Dies passiert derzeit im Zusammenhang mit dem Coronavirus überall. Mindestens ebenso wichtig wie der Schutz vor Viren ist jedoch der vor Unfällen.
  • Sicherheitseinrichtungen: Warn- und Sicherheitssysteme, die auf Risiken aufmerksam machen oder – noch besser – im Gefahrenfall zu einer automatischen Abschaltung von Maschinen führen, schützen effektiv vor Unfällen. Vor Ort ist zu prüfen, in welchen Bereichen die Einführung solcher Systeme sinnvoll ist. Experten unterstützen bei der Frage, welche Lösung im Hinblick auf den jeweiligen Bedarf am besten geeignet ist.
  • Mit dem Einsatz von Fahrzeugen in Hallen oder auf Höfen geht ein immenses Gefahrenpotenzial einher. Fahrer und Fußgänger sollten zu jeder Zeit, in der sie sich in einem potenziellen Risikobereich aufhalten, gewarnt werden, sofern ein unmittelbarer Zusammenstoß droht. Noch besser ist ein automatisches Anhalten des Fahrzeugs.
  • Maschinensicherheit: Der Schutz vor Unfällen mit Maschinen hat Priorität – denn wenn Arbeiter in deren Fänge geraten, wird es immer kritisch. Aber die Risiken reichen noch weiter: Auch technische Defekte können lebensgefährlich sein. Unabdingbar ist, sämtliche Geräte regelmäßig zu überprüfen und Probleme so frühzeitig zu erkennen. Im Zweifelsfall genügt es nicht, nur die regelmäßigen Untersuchungsintervalle durch Prüforganisationen einzuhalten. Denn für die Gesundheit der Mitarbeiter ist kein Preis zu hoch.

Über die Autorin

Heike Munro ist Mitglied der Geschäftsleitung der U-Tech Gesellschaft für Maschinensicherheit mbH. Der führende internationale Anbieter von Systemen zur Arbeitssicherheit unterstützt Industrieunternehmen dabei, die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten. Zur Vermeidung von Arbeitsunfällen stellt U-Tech seinen Kunden Personenschutzsysteme, Kollisionswarnsysteme sowie weitere Spezialsysteme zur Verfügung.

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Tel.: +49 261 963 8632
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