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Faszination Sonnenuhren

Technik für sonnige Tage

Sonnenuhren sind ein faszinierendes Stück Technik. Sie finden sich zahlreich an Kirchengebäuden oder öffentlichen Plätzen. Wer sich selber so einen Hingucker bauen möchte, steht vor besonderen Herausforderungen mathematischer und astronomischer Art. Arnold Zenkert zeigt in seinem Buch Wege auf, unüberwindlich geglaubte Hindernisse zu meistern.


Sonnenuhren, die Zeitmesser der besonderen Art, waren früher weit verbreitet. Im 16. Jahrhundert erlebte der Bau von Sonnenuhren einen Höhepunkt. Damals gab es den Berufsstand der Kompaßmacher, die sich darum kümmerten, dass die Zeit per Sonne sichtbar wurde. Heute würde wohl niemand erraten, dass sich dieser Beruf um die Herstellung von Sonnenuhren drehte.

Mit allerlei derartigen Informationen unterhält Arnold Zenkert zum Beginn seine Leser, ehe sich sein Buch ›Faszination Sonnenuhren‹ dem Bau eigenen Sonnenuhren zuwendet. Ungeduldige sollten das Buch dennoch von Anbeginn lesen, da sich an vielen Stellen wichtige Informationen verbergen, die für den Eigenbau von Sonnenuhren nützlich sind.

Wer weiß, dass schon alte Völker Sonnenuhren kannten und dieses Wissen sogar in ihre Gebäude integrierten, wird fortan prähistorische Bauten mit neuen Augen sehen. Beispielsweise sind in vielen Bauten der Ägypter, Griechen oder südamerikanischer Ureinwohner Teile von Gebäuden derart gestaltet, dass damit die Uhrzeit und Sonnenwenden abgelesen werden können.

Wem ist schon bekannt, dass die Treppen der Inka-Bauten in Wahrheit die Zeit zählten? Bei diesen Streiflich-Sonnenuhren wanderte der Schatten von Stufe zu Stufe hinunter, bis er zur Mittagszeit unten angelangt war. Bei sinkender Sonne wanderte der Schatten wieder aufwärts. Ein geniales System, das Staunen lässt.

Die einfachste Möglichkeit, die Zeit über einen Schattenwurf abzulesen, war ein Stab, der in der Erde steckte. Findige Zeitgenossen konnten jedoch auch über den Schatten des eigenen Körpers die Zeit bestimmen. Dazu wurde der Fuß genommen, denn dieser hat zur Körperlänge stets ein Verhältnis von etwa 1:7, weshalb sich die Größenunterschiede zwischen den Menschen aufhoben und alle die annähernd gleich Zeit messen konnten. Cleverness vor Jahrtausenden!

In der Blütezeit des Sonnenuhrenbaus wurden dann Kunstwerke ersonnen, die uns ob ihrer Eleganz auch heute noch staunen lassen. Sogar die Minuten konnten mit derartigen Schönheiten abgelesen werden, wie beispielsweise die äquatoriale Tischsonnenuhr von I.G. Zimmer und A. Reinhartz von 1760 zeigt.

Für den Gebrauch unterwegs wurden Klappsonnenuhren ersonnen und Landwirte gönnten sich einen Sonnenring aus Blei und Messing, den sie bequem am Hals tragen konnten. So konnten Sie auch an Stellen die Zeit feststellen, wo der Stundenschlag der Dorfkirche nicht mehr vernommen werden konnte.

Kleiner Mathekurs

Damit der Bau von Sonnenuhren auch für diejenigen möglich wird, die sich nur mehr dunkel an die Schulmathematik erinnern, gibt Arnold Zenkert nach dem Exkurs zu frühen Völkern einen kleinen mathematisch-astronomischen Mathematik-Kurs. Hier wird über die astronomischen Koordinatensysteme ebenso aufgeklärt wie über die Bewegungen der Sonne im Tages- und Jahreslauf. Ganz wichtig ist die Kenntnis des Einflusses der geographischen Breite, um eigene Sonnenuhren korrekt berechnen zu können.

Geschickt verwebt Arnold Zenkert dann im Kapitel ›Berechnung und Konstruktion von Sonnenuhren‹ die Mathematik zur Berechnung von Sonnenuhren mit der Vorstellung verschiedenster Sonnenuhrtypen. Dieses Kapitel ist derart mit Informationen verdichtet, dass man sich darin leicht verlaufen kann. Hier würde man sich eine andere Gliederung wünschen, die das sicher nicht leichte Kapitel etwas handhabbarer gestalten würde.

Nichtdestotrotz ist es für Leute mit Geduld durch mehrmaliges Lesen problemlos möglich, den nicht immer leichten Ausführungen zu folgen und eine eigene Sonnenuhr erfolgreich auf den Weg zu bringen. Dabei ist es egal, für welchen Typ man sich entscheidet. Ob horizontale oder vertikale Sonnenuhr, ob ebenes oder ringförmiges Ziffernblatt, für jeden Geschmack gibt es Vorschläge, die begeistern. Es werden sogar Wege aufgezeigt, wie sich eine Deklinationsskala zum Anzeigen des Datums an analemmatischen Sonnenuhren konstruieren lässt.

Wer bereits 110 Seiten des Buches durchgearbeitet hat, wird sich wundern, dass er immer noch Neues in Sachen Sonnenuhren lesen kann. Für Leute mit Garten wird zum Beispiel eine Sonnenuhr mit Filterhut vorgestellt, während Wanderer überrascht sein werden, etwas über eine Wanderstab-Sonnenuhr zu lesen. Das Buch von Arnold Zenkert outet sich als unglaublich informationsdichtes Werk in Sachen Sonnenuhren. Selbst wer nicht vorhat, eine eigene Sonnenuhr zu basteln, kann sich hier wirklich umfassend über diese faszinierende Technik informieren.

Der nächste Spaziergang wird dann sicher mit wachen Augen erfolgen, denn Schatten werden überall geworfen, egal ob Mensch, Baum oder Fernsehturm. Vor diesem Wissens-Hintergrund erkennt man auch die Aufgabe früher Großbauten, wie etwa den Dolmen von Carnac oder Stonehenge. Die Leute von damals wollten mit ihnen die Zeit und das Datum bestimmen. Dabei stellt sich die Frage, wie genau sich mit Sonnenuhren überhaupt die Zeit bestimmen lässt. Auch darüber hat Arnold Zenkert etwas zu berichten und natürlich Formeln parat.

Wer sich praktisch betätigen will, findet im Buch viele Bastelvorschläge, um etwa ein altes Wagenrad zur äquatorialen Sonnenuhr umzufunktionieren. Wer kein Rad hat, dem hilft die CD weiter, die dem Buch beigelegt ist. Dort findet sich neben einem Programm zum Berechnen von wichtigen Kennwerten in Sachen Sonnenuhr auch ein Bastelbogen für eine Würfel-Sonnenuhr im PDF-Format. Wer dann damit seine ersten Erfolge in Sachen Sonnenuhr feiern kann, wird sicher Geschmack finden, die eine oder andere Idee endlich in Ziegel, Holz oder Metall umzusetzen.

Fazit: Ein tolles Buch für Leute mit Talent, die Geschmack darin finden, sich mit der Sonnenuhr und ihrer Technik intensiver auseinanderzusetzen.

 

Mehr Informationen:

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Titel: Faszination Sonnenuhr
Autor: Arnold Zenkert
Verlag: Harri Deutsch
ISBN: 3-8171-1752-3
Jahr: 2005
Preis: 29,80 Euro
www.harri-deutsch.de
 

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