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Entscheidungen besser managen

Vom Quellgebiet zur Cashcow-Weide

Der Abgasskandal bei Volkswagen ist ein Musterbeispiel dafür, welch fatale Folgen falsche Entscheidungen haben können. Das Buch ›Wie Organisationen gut entscheiden‹ von Othmar Sutrich und Bernd Opp gibt Hilfestellung, Minenfelder zu vermeiden.


Wer einen vergrabenen Schatz heben möchte, benötigt gewöhnlich eine Schatzkarte, um dem Objekt der Begierde mit Aussicht auf Erfolg habhaft zu werden. Solche Schätze gibt es auch in großen und kleinen Unternehmen. Diese funkeln jedoch auf andere Art, als gewöhnlich erwartet wird: Sie zeigen ihre Werthaltigkeit in Form optimaler Produkte, zufriedener Kunden und motivierter Mitarbeiter.

Um solche Schätze zu heben, haben die beiden Hauptautoren Othmar Sutrich und Bernd Opp zusammen mit sieben Mitautoren ihrem Buch ›Wie Organisationen gut entscheiden‹ eine Art Schatzkarte spendiert, mit deren Hilfe man ans Ziel kommt, künftig bessere Entscheidungen zum Nutzen des Unternehmens zu treffen.

Mit der Schatzkarten-Idee haben die Autoren einen Weg gefunden, ein höchst anspruchsvolles Thema besser handhabbar zu machen. Die Schatzkarte startet in einem Quellgebiet, das vom Fluss ›Flow‹ durchflossen wird, wo es unter anderem die Orte ›Mut‹, ›Enthusiasmus‹, ›Angst‹ und ›Kompetenz‹ gibt und allerlei Gebirgszüge, wie etwa der ›Gipfel der Unsicherheit‹ oder der ›Pfiffig‹ zuhause sind. Mithilfe des Buches kann man sich nun dem Ziel in Tagesetappen nähern, als Unternehmen künftig bessere Entscheidungen zu fällen.

Dabei gilt es, vermintes Gebiet sowie den Irrgarten des Misstrauens zu meiden und den Ort ›Terra Incognita‹ dann aufzusuchen, wenn es stockt, nicht weitergeht beziehungsweise die vor Kurzem noch vorhandene Energie abhandengekommen ist. Die Schatzkarte weist den Weg über den Gebirgszug ›Entscheidung‹, um zum Land der Umsetzung zu gelangen, wo sich der Schatz befindet. Dieses Ziel ist für Einzelkämpfer extrem schwer zu erreichen, in der Regel verirren sie sich im Land der Suche, von wo aus es keine Brücke über den Fluss ›Flow‹ in Richtung Ziel gibt.

Als negatives Beispiel führen die Autoren Bundeskanzlerin Angela Merkel an, die zwar Entscheidungen trifft, sich dabei jedoch im Land der Suche befindet, wo sich die Orte ›Spekulation‹, sowie ›Hin‹ und ›Her‹ befinden, weshalb sie ihre Entscheidungen als alternativlos einstufen muss, was Unfug ist. Wäre sie nur ein paar Schritte weitergewandert, hätten sich zahlreiche Alternativen präsentiert die wirklich ans Ziel führen würden, ohne faule Kompromisse einzugehen. Nicht nur das Volk Griechenlands hat wegen der Entscheidungsschwäche unter Politikern, wie es eben Bundeskanzlerin Merkel oft zeigt, zu leiden.

Hier offenbart sich das Defizit der Demokratien. Die Entscheidung einer einzelnen Person kann für ein ganzes Volk fatale Folgen haben. In Entscheidungsfragen punkten hingegen moderne Organisationen, da diese im Vergleich zu einzelnen Personen viel besser mit Wahlmöglichkeiten jonglieren können.

Entscheiden lernen


Egal ob Bundesregierung oder Unternehmenslenker – alle Entscheider sind daher gut beraten, sich durch das Buch ›Wie Organisationen gut entscheiden‹ zu arbeiten, damit künftig bessere Entscheidungen getroffen werden. Dieses Buch ist jedoch nicht mal so eben nebenbei zu lesen. Es ist sehr anspruchsvoll geschrieben und bedarf der vollen Konzentration, um das Gelesene einzuordnen. Man sollte es daher in kleinen Abschnitten Stück für Stück durchlesen und das Gelesene auf sich wirken lassen. Die Lektüre lohnt, denn vielfach wird sich herausstellen, dass im eigenen Unternehmen Strukturen zu ändern sind, die guten Entscheidungen im Weg stehen.

Es wird zum Beispiel darauf hingewiesen, dass weder die kaufmännische, noch die technische Seite die Oberhand beim Entscheidungsprozess gewinnen darf. Dies führt dort, wo dies dennoch der Fall ist, regelmäßig dazu, dass Risiken unsichtbar und Chancen unerkannt bleiben.

Im Buch werden neben der Prozesslandkarte eine ganze Reihe weiterer Hilfsmittel vorgestellt, die Entscheidungsprozesse gliedern und handhabbarer machen können. Zu nennen wäre der Pentaeder, das Prozessdenken oder das Kairos-Entscheidungsmodell. Zudem wird die Bedeutung von Netzwerken hervorgehoben: Diese sind in der Lage, neue Risiken besonders früh anzeigen, da sie ihre Fühler an den Grenzen der Umwelt ausstrecken.

Es wäre vermessen, irgendeinen Abschnitt im Buch besonders hervorzuheben. Vielmehr ist es so, dass sich die einzelnen Modelle gegenseitig ergänzen oder sogar gleiche Aspekte in mehreren Modellen zu finden sind. Das Buch ist daher ein wahres Füllhorn an Wertvollem und Wichtigem, wenn es um das Thema ›Entscheiden‹ geht. Wer sich zunächst einmal selbst einschätzen möchte wie es um die eigene Entscheidungskompetenz steht, der findet sogar einen entsprechenden Fragebogen darin. Besonders erkenntnis- und kompetenzfördernd kann dieser Fragebogen wirken, wenn er mit einem Team verwendet wird.

Nicht minder wichtig ist die Risikobilanz, die ebenfalls ausführlich im Buch vorgestellt wird: Im ersten Schritt werden die Chancen und Gefahren ­einander gegenübergestellt. Der zweite Schritt besteht aus der Bilanzierung der beiden Seiten. Im dritten Schritt gilt es, Ideen, Vorschläge und Maßnahmen zu entwickeln, die die Chancen erhöhen und die Risiken auf der Gefahrenseite verringern.

Keinesfalls darf es jedoch sein, dass Fehler durch falsche Entscheidungen zu Sanktionen führen. Dies führt nur zur Kultur des Vertuschens, da in solchen Unternehmen nach Schuldigen gesucht wird und „Köpfe rollen“ müssen.

Dies sind Szenarien aus der Vergangenheit. Werte wie Vertrauen, Kooperation, Beteiligung auf Augenhöhe, Gemeinsamkeit oder Verantwortung übernehmen sind für moderne Organisationen unabdingbar, um professionelle, den Anforderungen der Zukunft entsprechende Entscheidungen treffen zu können.

Wer das Buch aufmerksam durcharbeitet und sich die Mühe macht, die dort beschriebenen Techniken zu verstehen und im eigenen Unternehmen einführt, der wird den Balanceakt des Entscheidens künftig souverän beherrschen.

Fazit: Ein lohnender Buchkauf!

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Titel: Wie Organisationen gut entscheiden
Autoren: Othmar Sutrich, Bernd Opp
Verlag: Haufe-Gruppe
ISBN: 978-3-648-08103-7
Jahr: 2016
Preis: 39,95 Euro
www.haufe.de
 

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