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Russland grundlos am Pranger

Einseitige Sichtweisen des Westens

Von interessierter Seite wird Russland aktuell als Land des Bösen betitelt, das Verkehrsflugzeuge abschießt, ehemalige Agenten vergiftet und unrechtmäßige Annexionen vornimmt. In Ihrem Buch ›Eiszeit‹ beleuchtet Gabriele Krone-Schmalz diese Fehlwahrnehmungen, die gefährliche Handlungsmuster zur Folge haben.


Mit seiner Perestroika-Politik hat der ehemalige sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow einen gewaltigen Anteil daran, dass Deutschland 1990 seine Wiedervereinigung feiern konnte und alte, die Menschen in Ost und West trennende Mauern eingerissen wurden. Hoffnung auf friedliche Zeiten und gute Zusammenarbeit zwischen bisherigen Gegnern bestimmte damals das politische und mediale Klima.

Davon ist heute nichts mehr zu spüren, weil eine unverantwortliche, vom sogenannten Westen betriebene Politik die damals gelegte Basis für ein gedeihliches Miteinander der ehemals verfeindeten Machtblöcke in Schutt und Asche legte. In Ihrem Buch ›Eiszeit‹ zeigt Gabriele Krone-Schmalz – die als intime Kennerin Russlands gilt und selbst viele Jahre dort gelebt hat – auf, dass viele Vorwürfe, die Russland gemacht werden, bei näherer Betrachtung haltlos sind, westliche Akteure vielmehr eine ganz gezielte Agenda verfolgen. Der Westen ist demnach bezüglich der aktuellen Spannungen mit Russland alles andere als unschuldig.

Der Westen fühlte sich als Sieger des Kalten Krieges. In Zukunft, so meinte man, geht es nur noch um die globale Durchsetzung des westlichen Systems. Man glaubte, dass, wenn alle Staaten demokratisch geworden seinen, es keine Kriege mehr geben würde. Die „westliche Wertegemeinschaft“ schickte sich an, die Welt zu retten, notfalls auch mit Gewalt und gegen den Willen derjenigen, die gerettet werden sollten.

Damit man dabei nicht Gefahr läuft, als Kriegsverbrecher angeklagt zu werden, die einen Angriffskrieg planten, werden Medienkampagnen ins Leben gerufen, die suggerieren sollen, dass ein Potentat zu beseitigen ist, der Unrecht getan hat. So wurde beispielsweise fälschlicherweise behauptet, dass irakische Soldaten in einem kuwaitischen Krankenhaus Frühgeborene aus Brutkästen gerissen und auf den Boden geworfen hätten. Die Empörung in den USA erleichterte es der US-Regierung, in den ersten Golfkrieg einzutreten. Der zweite Golfkrieg wurde damit begründet, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfüge. Beide Fälle waren nachweislich frei erfunden.

Medienkampagnen waren es auch, die dazu führen sollten, die Ukraine an den Westen zu binden. Rund fünf Milliarden Euro wurden seit 1991 dafür aufgewendet. Ein Teil der Summe war dazu bestimmt, der gespaltenen Bevölkerung die Orientierung in Richtung Westen zu erleichtern. Gabriele Krone-Schmalz fragt daher zu Recht, ob es nicht scheinheilig sei, wenn bei uns argumentiert wird, man könne einem Volk doch nicht den Wunsch nach einer Anbindung an den Westen abschlagen.

Der wirkliche Grund dieser Geldströme ist wohl darin zu suchen, ein weiteres Land für die NATO zu gewinnen, um so militärisch noch näher an Moskau heranzurücken. Es ist unzweifelhaft, dass Russland sich einer Einkreisung ausgesetzt sieht, die sogar die Gefahr eines Erstschlags durch die USA birgt, da Russland durch diese Politik seine Zweitschlagfähigkeit einbüßt. Ist es da ein Wunder, dass die Russen darauf reagieren müssen und die Aufnahme der Ukraine in die NATO mit dem Überschreiten einer roten Linie gleichsetzen?

Das Denken in den Kategorien von „Gut“ und „Böse“ hat in den USA eine lange Tradition, nicht zuletzt in der Außenpolitik. Es gibt dort die Vorstellung, das Land sei von Gott dazu auserwählt, als Leuchtturm der Freiheit zu dienen und das Licht Gottes in der Welt zu verbreiten. Darin liegt natürlich auch die Gefahr des missionarischen Fanatismus. Das Eintreten für die Verbreitung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechte wird zu einer Glaubensfrage. Auf Russland bezogen, bedeutet dieser Zusammenhang, dass in den westlichen Medien praktisch nur noch Raum für negative Nachrichten über das Land bleibt. Viele Journalisten haben sich offenbar abgewöhnt, genauer hinzuschauen, wenn es um Russland geht.

Ein schönes Beispiel ist der im Buch ausführlich dargelegte Fall des Luftangriffs auf die syrische Stadt Chan Scheichun, bei dem mehr als 70 Menschen durch das Einatmen eines Giftgases ums Leben kamen. Bei derartigen Fällen wurde stets dem syrischen Regime unterstellt, Giftgas eingesetzt zu haben. Der amerikanische Enthüllungsjournalist Seymour Hersh hingegen stützt sich auf eine Quelle, die davon berichtet, dass durch den Luftangriff ein Vorratslager der Rebellen getroffen und dadurch eine Chlorgaswolke freigesetzt wurde. Krone-Schmalz listet viele Beispiele auf, in denen klar wird, dass die deutschen Medien ihr Publikum oft im Dunkeln lassen.

Auffällig ist, dass seit der Rückkehr Russlands auf die weltpolitische Bühne die negativen Schlagzeilen und Berichte stark zugenommen haben. Die Intensität und Hysterie, mit der Moskau immer wieder an den Pranger gestellt wird, ist ungewöhnlich und legt nahe, dahinter politische Motive zu vermuten. Auffällig ist die Zunahme der Verdachtsberichterstattungen die über Russland verbreitet werden. So wurde beispielsweise einmal behauptet, dass russische Hacker einen US-Stromversorger angegriffen hätten. Wenig später stellte sich jedoch heraus, dass an der Geschichte nichts dran war.

Präsident Putin hat Russland wieder zu einer Weltmacht gemacht. Er hat Zustimmungswerte, von denen westliche Politiker oft nur träumen können. Er hat es geschafft, die Staatsschulden von 184 auf unter zehn Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Wirtschaftsleistung verzehnfacht. Es lohnt sich, das Buch ›Eiszeit‹ von Gabriele Krone-Schmalz zu lesen, um noch mehr über diesen, vom Westen zu Unrecht diffamierten Mann und das von ihm regierte Land zu erfahren.

 

Mehr Informationen:

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Titel: Eiszeit
Autor: Gabriele Krone-Schmalz
Verlag: C. H. Beck
ISBN: 978-3-406-71412-2
Jahr: 2017
Preis: 16,95 Euro
www.chbeck.de
 

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