Welt der Fertigung
Sie sind hier: Startseite » Archiv » Jahrgang 2021 » Ausgabe April 2021

Optimismus dank Innovation und Eigeninitiative

Merkliche Erholung nach der Corona-Krise erwartet

Die Corona-Krise hat neben vielen anderen Branchen auch die Industrie sowie das verarbeitende Gewerbe hart getroffen. Die Auswirkungen werden bis weit in das Jahr 2021 hinein zu spüren sein. Dennoch blickt Walter Maurer, der Chef eines familiengeführten Schweizer Industriedienstleisters im Bereich Wasserstrahlschneiden, mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft.

„Im letzten Jahr sind wir alles in allem mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Walter Maurer, geschäftsführender Mitinhaber der Firma Waterjet AG in Aarwangen (Schweiz). Das Unternehmen, das an zwei Standorten in der Schweiz rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, bediene mehr als 1.000 aktive Kunden aus zahlreichen unterschiedlichen Branchen mit Dienstleistungen im Bereich Wasserstrahlschneiden.

Entscheidender Vorteil des Verfahrens ist, dass es völlig „kalt“ arbeitet und so das Material schont. Zudem kann es für eine sehr große Bandbreite unterschiedlichster Werkstoffe verwendet werden. Die im Unternehmen selbst entwickelte Mikro-Wasserstrahlschneidtechnologie wachse stärker als das übrige Geschäft und werde mehr und mehr zu einem wesentlichen Standbein. Auch erschließe die eigene F&E-Abteilung dank der ständigen Entwicklung neuer Lösungen für besondere Kundenwünsche immer neue Anwendungsfelder. Diese Innovationsfähigkeit habe auch in der Corona-Krise sehr geholfen.

2020 gab es einen deutlichen Einbruch

„Dennoch gab es 2020 einen Umsatzrückgang im unteren zweistelligen Bereich“, bedauert W. Maurer. Zum Glück habe der äußerst breite Kundenkreis etwas vor den Folgen größerer Probleme in besonders hart betroffenen Branchen geschützt. Die größten Rückschläge habe es bei der Allgemeinen Medizintechnik – wegen des Rückgangs von „Nicht-Corona“-Behandlungen – und bei der Uhrenindustrie gegeben.

Als Segen habe sich erwiesen, dass er dank vorhandener Reserven die Belegschaft vollständig in Beschäftigung halten konnte. So konnten Zukunftsängste der Mitarbeiter gemildert und die Motivation hochgehalten werden. Dank früher und umfassender Hygienemaßnahmen – der Bruder und Mitinhaber ist Arzt – kam es im Unternehmen auch nicht zu direkten Corona-Erkrankungen.

Im Tagesablauf habe man den Umsatzrückgang interessanterweise kaum verspüren können, da der Termindruck bei den verbleibenden Aufträgen stark zunahm. Ursache war vermutlich der verstärkte Wettbewerb in den Märkten der Kunden: Wer dort einen Auftrag ergattern konnte, musste dafür auch terminlich bis an die Grenze des Möglichen gehen. Zudem wurden im Rahmen einer internen Innovationsoffensive freie Kapazitäten für Entwicklungsprojekte genutzt, um nach Ende der Krise mit Fortschritten der Technologie punkten zu können.

Bei der Materialbeschaffung – verarbeitet werden viele teils exotische Werkstoffe – habe es teilweise Unsicherheiten bezüglich der Verfügbarkeiten und Lieferzeiten gegeben, doch kam es im Endeffekt zu keinen wirklich gravierenden Problemen.

Unsicherheit und Verunsicherung als wesentliche Handicaps

„Eine besonders nachteilige Auswirkung der Corona-Krise war die Verunsicherung der Mitarbeiter“, weiß W. Maurer. Bei der ersten Welle im Frühjahr 2020 belasteten vor allem Unsicherheiten bezüglich der Gefährlichkeit der Krankheit und der sich rasch verschlechternden wirtschaftlichen Lage. Den Tiefpunkt der Auftragseingänge habe man etwa im Juni gehabt. Während sich die Auftragslage anschließend langsam, aber kontinuierlich wieder verbesserte, hätten insbesondere ständig veränderte behördliche Vorschriften – auch was die persönlichen Freiheiten der Mitarbeiter im Privatleben anging – fortdauernd auf die Stimmung gedrückt. Auf die Mentalität der Belegschaft wirke dies wie ein Gift, das Motivation und Freude an der Arbeit beeinträchtige. Das bleibe nicht ohne Auswirkungen auf das Unternehmen.

Dauerhafte Folgen – mit Blick auf den Markt

„Wir selbst haben die Krise bisher einigermaßen glimpflich überstanden. Am Markt rechne ich jedoch mit deutlichen Bremsspuren“, verrät W. Maurer. Er gehe davon aus, dass im neuen Jahr eine ganze Reihe von Firmen verschwinden oder nur stark geschwächt weitermachen werden. Das zeige sich auch im Bereich Außenstände, wo es einen tendenziellen Anstieg gebe. Mit Besserung sei hier kaum zu rechnen.

Veränderungen werde es auch bezüglich mancher Arbeitsabläufe geben. Homeoffice sei bei Waterjet auch weiterhin kaum machbar, dazu sei der Bedarf an schneller, direkter Abstimmung der verschiedenen Abteilungen untereinander zu groß. Einzige Ausnahme sei der Einkauf für den Bereich Abrasivmaterial. Ansonsten sehe er auch für die Zukunft wenig Möglichkeiten, die Abläufe im Verwaltungsbereich in Richtung Homeoffice auszulagern.

Anders verhalte es sich bei Meetings mit externen Partnern: Hier rechne er künftig mit einem Trend hin zu virtueller Abwicklung, nicht zuletzt auch aus Kostengründen.

Eigeninitiative, Innovation und solides Wirtschaften

„In der Corona-Krise haben wir auf die gleichen Rezepte gesetzt wie auch bei früheren Turbulenzen: Auf Eigeninitiative, Innovation und solide Finanzen“, bilanziert W. Maurer. Wie auch bei früheren Krisen – näheres dazu auch im Firmenfilm: https://www.youtube.com/watch?v=9k2DDsN2PF8 – habe man nicht gewartet, bis der Staat Anweisungen gab. In Eigenregie wurde umgehend ein eigenes Hygienekonzept entwickelt. Nicht zuletzt dank dessen konsequenter Umsetzung habe es im Unternehmen selbst ungeachtet der teilweise hohen Inzidenzraten der Schweiz keinen einzigen Ansteckungsfall gegeben.

Auch achte er wie bisher auf soliden Cashflow und verzichte notfalls auf Aufträge mit zu geringen Deckungsbeiträgen. Die entsprechend gesunde Kapitalbasis habe es ermöglicht, den Mitarbeitern Sicherheit mit Blick auf die Überlebensfähigkeit der Firma und die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze zu geben. Das habe sich positiv auf Arbeitsproduktivität und Ausschussgeschehen ausgewirkt. Für ihn habe sich wieder einmal erwiesen, dass die Mitarbeiter der wichtigste Aktivposten seines Unternehmens seien.

Für 2021 rechne er mit einer nachhaltigen Umsatzerholung. Er hoffe nicht nur auf einen Ausgleich des Umsatzeinbruchs von 2020, sondern sogar auf eine Steigerung im Vergleich zu 2019. Dies betreffe vor allem den Bereich des Mikro-Wasserstrahlschneidens. Hierfür wurden bereits eine weitere Maschine geordert und neue Mitarbeiter eingestellt.

Sorge bereite ihm allerdings nach wie vor das politische und gesellschaftliche Umfeld. Die Regulierungswut des Staates sei ungebrochen und nehme in der Krise sogar noch zu. Dieser zusätzliche interne Arbeitsaufwand binde Arbeitszeit und gehe zulasten der Effizienz. Weiterer Problempunkt sei das geringe gesellschaftliche Ansehen handwerklich-wertschöpfender Tätigkeiten. Dadurch falle es immer schwerer, geeignete Nachwuchskräfte für Ausbildung und Produktion zu finden.

Mehr Informationen zur Waterjet AG:

Kontakt  Herstellerinfo 
Waterjet AG Ostschweiz
Haltelhusstrasse 2a
CH-9402 Mörschwil
Tel.: +41 71 311 56 66
E-Mail: info@waterjet.ch
www.waterjet.ch

War dieser Artikel für Sie hilfreich?

Bitte bewerten Sie diese Seite durch Klick auf die Symbole.

Zugriffe heute: 1 - gesamt: 49.